Türkei: Staatliche Homophobie


Diyanet-Leiter Erbas hetzt in Ramadan-Eröffnungspredigt gegen Homosexuelle. Die Staatsanwaltschaft in Ankara ermittelt gegen Anwaltskammer, die die Rede scharf kritisierte

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Gay-Pride-Parade. Symbolbild: Juli Moreira/unsplash

Diyanet ist die einflussreichste Behörde mit dem größten Etat in der Türkei. Sie betreibt mit dem Islamverband DITB in Deutschland eine Quasi-Außenstelle, denn die in den knapp 1.000 Ditib-Moscheen tätigen Imame in Deutschland werden von Diyanet bezahlt und sind an die Weisungen der Religionsbehörde gebunden. Die Freitagspredigten werden Ditib direkt von Diyanet übermittelt und tragen somit zur Indoktrination auf Erdogans islamistischen Kurs auch in Deutschland bei.

Erbas bezeichnete in seiner Predigt Homosexualität als „Unzucht“ und machte Homosexuelle indirekt für den Ausbruch des Coronavirus wie auch für die an AIDS gestorbenen Menschen verantwortlich. „Sie verfault die Generation und bringt Krankheiten“, zitiert die Deutsche Welle Erbas.

Präsident Erdogan bezeichnete die Hetze des homophoben Staats-Imam als „von vorne bis hinten korrekt“ und stellte Angriffe, also Kritik an dem Imam, mit einem Angriff gegen den Staat gleich. Die Staatsanwaltschaft in Ankara schritt sogleich zur Tat und leitete ein Ermittlungsverfahren gegen die Anwaltskammer von Ankara ein.

Die Anwaltskammer kritisierte die Hetze des Imam scharf und erinnerte in diesem Zusammenhang an die frauenfeindliche Grundhaltung des Imams: Er verschließe beide Augen vor Kindervergewaltigern und versuche, Frauenfeindschaft und Gewalt gegen Frauen durch religiöse Diskurse zu legitimieren. Zudem würden solche Äußerungen Gewalttaten in der Gesellschaft legitimieren.

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