Treibhausgase in der Landwirtschaft


Seit 1. Mai gibt es eine neue Düngeverordung. Das Grundwasser soll weniger belastet werden. Andere Umweltbelastungen aus der Landwirtschaft stehen leider nicht zur Debatte.

Susanne Aigner | TELEPOLIS

Symbolbild: Dan Meyers/unsplash

Am 1. Mai 2020 trat die neue Düngeverordnung in Kraft, deren Ziel es ist, Nährstoffe effizienter einzusetzen und die Nitratgehalte in belasteten Teilen des Grundwassers zu reduzieren. Wegen der Corona-Pandemie und den Herausforderungen für die Landwirtschaft soll die differenziertere Ausweisung von mit Nitrat und Phosphat besonders belasteten – so genannten roten Gebieten – allerdings erst zum 1. Januar 2021 umgesetzt werden.

Die wichtigsten Punkte der Düngeverordnung, mit denen das Verursacherprinzip besser greifen könnte, auf später zu verschieben, ist vermutlich Agrar-Lobbyisten zu verdanken, die sich seit langem gegen die neue Verordnung einsetzen.

Bereits vor einigen Jahren hatte die EU-Kommission gegen Deutschland geklagt und 2018 beim Europäischen Gerichtshof Recht bekommen. Würden die Grenzwerte für Nitrat wieder nicht eingehalten, droht ein zweites Klageverfahren – mit hohen Strafzahlungen, hieß es vor kurzem.

Unsere hohen landwirtschaftlichen Erträge wären undenkbar ohne den Input an mineralischen Düngemitteln. Zu viel davon belastet allerdings die Ökosysteme: Mehr als 50 Prozent der reaktiven Stickstoffverbindungen gelangen über industrielle Landwirtschaft in die Umwelt und schaden nicht nur Grundwasser, Böden und Luft, sondern auch Biodiversität und Klima.

Stickstoff ist für das Wachstum der Pflanzen unentbehrlich. Zu wenig davon dämmt das Pflanzenwachstum ein, zu viel davon belastet die Ökosysteme: Mehr als 50 Prozent der reaktiven Stickstoffverbindungen gelangen über die industrielle Landwirtschaft in die Umwelt. Der überschüssige Stickstoff belastet nicht nur Grundwasser, Böden und Luft, sondern er schadet auch der Biodiversität und dem Klima.

Vor mehr als 100 Jahren entwickelten die deutschen Chemiker Fritz Haber und Carl Bosch ein Verfahren zur Synthese aus atmosphärischem Stickstoff und Wasserstoff. In einer Zeit, in der es der Landwirtschaft zunehmend an Stickstoff mangelte, galt die Methode als Patentlösung zur Bekämpfung des Hungers. Bereits um 1900 meldete ihr ursprünglicher Erfinder, Friedrich Ostwald, ein Patent darauf an, das er bald darauf an die BASF verkaufte.

Rund 80 Prozent des synthetisch hergestellten Ammoniak stecken in der Herstellung von Harnstoff, Ammoniumnitrat, -sulfat und -phosphat, den Ausgangsstoffen für industrielle Düngemittel. Mehr als ein Drittel der in der Landwirtschaft eingesetzten Energie geht in die Produktion von Düngemitteln und Pestiziden.

Laut Umweltbundesamt (UBA) lag der Anteil an Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft für das Jahr 2017 bei 7,3 Prozent. Würde man auch den Energiebedarf für die Herstellung aller Mineraldünger und Agrochemikalien mit einrechnen, wäre dieser Wert deutlich höher.

Energiefresser Stickstoff

In intensiv gedüngten Landwirtschaftssystemen ist die Herstellung von Mineraldüngern für rund die Hälfte des Energieverbrauchs pro Hektar verantwortlich. Allein die Ammoniaksynthese hat einen Anteil von ein bis drei Prozent am weltweiten Energiebedarf.

Einer Analyse des Deutschen Bundestages zu Folge produzieren moderne Haber-Bosch-Anlagen bis zu 1500 Tonnen Ammoniak am Tag. Dabei verbrauchen sie etwa acht Megawattstunden Energie pro Tonne Ammoniak, basierend auf Methan (CH4) und 13,5 Megawattstunden Energie.

Der bei der Herstellung benötigte Wasserstoff wird durch fossile Brennstoffe wie Erdöl und Kohle erzeugt. Anstatt wertvolle Kohlenwasserstoffe in Ammoniak umzuwandeln, verpufft Kohlendioxid als Abfallprodukt in die Atmosphäre. Glaubt man den Angaben des Deutschen Bundestages, werden bei der Produktion von einer Tonne Ammoniak zwei Tonnen Kohlendioxid freigesetzt.

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