Warum ein islamisches Missionsnetzwerk in Südasien als Corona-Superspreader gilt

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In mehreren Ländern Südasiens scheint die fundamentalistische Tablighi Jamaat am Anfang von Infektionsherden zu stehen. In Indien wird damit auch politisiert

Anna Sawerthal | DERSTANDARD

Auch in Indonesien werden TJ-Mitglieder auf das Virus getestet. Foto: Reuters/ANTARA FOTO

Eines der größten religiösen Netzwerke der Welt veranstaltete im März Massen-Events in Südasien, als das Coronavirus bereits weite Teile des Planeten erreicht hatte. Aus aller Welt reisten Muslime an, um auf engem Raum gemeinsam zu beten. In Pakistan können laut Bloomberg circa 2.250 von aktuell über 15.000 bestätigten Infektionen (Stand Donnerstag) auf eine Veranstaltung des Netzwerks zurückgeführt werden, in Malaysia fast 2.000 von aktuell 5.900 Infektionen. In Indien stand Anfang April offiziell jede dritte Infektion mit einem Event der Organisation in Delhi in Zusammenhang. Gleichzeitig stieg in dem Land auch muslimfeindliche Hetze, teilweise angeheizt durch hochrangige Politiker.

Am 13. März versammelten sich in der Nizamuddin-Moschee im Südosten von Delhi tausende Gläubige zum Gebet. Sie sind bereits seit Anfang des Monats aus aller Welt angereist, um an der jährlichen Versammlung der Tablighi Jamaat (TJ) teilzunehmen. Das islamische Missionsnetzwerk wurde vor fast hundert Jahren an ebenjenem Ort gegründet. Seitdem hat sich die sunnitische Bewegung in über 150 Ländern angesiedelt. Laut Pew Research Center vereint TJ zwischen zwölf und 80 Millionen Mitglieder. Genau weiß man es nicht, weil die Prediger dezentral organisiert sind. Manchen Gruppen wird eine Nähe zu radikalen Ideen und Terrornetzwerken wie Al-Kaida oder den Taliban vorgeworfen. Die meisten der Mitglieder, so Pew, treten aber hauptsächlich für einen frommen Lebensstil ein.

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