Muezzin und Kirchenglocken: Emotionale Debatte um religiösen „Lärm“


Im Zuge der Corona-Pandemie ist in Deutschland erneut eine Debatte um Muezzin-Rufe entbrannt. Doch wann und wie darf der muslimische Gebetsruf tatsächlich in der Öffentlichkeit erklingen? Und wie ist der Muezzin im Vergleich mit Kirchenglocken zu bewerten? Katholisch.de erläutert die juristischen Rahmenbedingungen.

Steffen Zimmermann | katholisch.de

Dürfen sie oder dürfen sie nicht? Und wenn sie dürfen: Wie laut dürfen sie? Die Frage, ob und wie Moscheen in Deutschland ihre Gläubigen mit dem Muezzin zum Gebet rufen dürfen, ist mit Vehemenz auf die gesellschaftspolitische Tagesordnung zurückgekehrt. Ob in Behörden, Medien, Parteien oder an den virtuellen Stammtischen bei Facebook und Twitter: Bundesweit wird derzeit wieder einmal über das Für und Wider des muslimischen Gebetsaufrufs diskutiert – und das oft mit vielen Emotionen.

Den Anlass für die aktuelle Debatte lieferte – natürlich – die Ausbreitung des Coronavirus. Nachdem die Bundesregierung Mitte März im Kampf gegen das Virus auch Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen und Synagogen untersagt hatte, stellte sich für Gemeinden aller Religionen die Frage, wie sie auch ohne die sonst übliche körperliche Nähe bei öffentlichen Gebeten und Gottesdiensten mit ihren Gläubigen in Kontakt bleiben könnten. Die christlichen Kirchen setzten dafür in den vergangenen Wochen vielerorts auf die Glocken ihrer Gotteshäuser, um im Angesicht der Pandemie zumindest ein hörbares Zeichen der Präsenz und der Zuversicht auszusenden.

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