Brasilien: Bolsonaro und sein „Judas“


In Brasilien spitzt sich der Streit zwischen Präsident Bolsonaro und dem zurückgetretenen Justizminister Moro zu. Dessen Aussage bei der Bundespolizei bringt Bolsonaro in die Klemme. Der hat begonnen, Moro zu diskreditieren.

Tjerk Brühwiller | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Vor kurzem noch auf derselben Seite: Präsident Bolsonaro und Justizminister Moro im Juni 2019 Bild: dpa

Brasiliens Präsident Jair Messias Bolsonaro sieht sich zusehends in die Enge getrieben. Am Samstag hat der vor einer Woche zurückgetretene frühere Justizminister Sergio Moro bei der Bundespolizei in der südbrasilianischen Stadt Curitiba gegen den Präsidenten ausgesagt. Moro behauptet, dass Bolsonaro wiederholt darauf gedrungen habe, jemanden an der Spitze der Bundespolizei zu haben, der ihn mit Informationen über laufende Ermittlungen, unter anderem gegen seine Söhne, versorgt.

Nachdem Bolsonaro den Chef der Bundespolizei entlassen hatte, reichte Moro seinen Rücktritt ein. Die Einsetzung eines neuen Chefs, der als enger Freund der Familie Bolsonaro gilt, wurde vom Obersten Gericht verhindert. Moros Aussage dauerte acht Stunden; Details sind nicht bekannt. Laut eigenen Aussagen will er jedoch über Beweise gegen Bolsonaro verfügen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnten sie Grundlage für ein Absetzungsverfahren sein. Vor dem Sitz der Bundespolizei kam es zu Protesten von Anhängern Moros und Bolsonaros, die bis vor kurzem noch auf derselben Seite standen.

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