Europa muss wilder werden


Um Artenschwund und Klimawandel zu bekämpfen, müssen die Länder der EU wieder mehr Natur zulassen. Rewilding heißt das Konzept, das Ökologen jetzt empfehlen.

Brigitte Kramer | Süddeutsche Zeitung

Foto: imago Wenn Landwirtschaft in Gebirgsregionen aufgegeben wird, kann die wilde Natur zurückkommen.

Europa braucht dringend mehr Wildnis. Das fordern Wissenschaftler, die einen Wegweiser zur europäischen Biodiversitätsstrategie 2030 erarbeitet haben. Der Zehnjahresplan der EU für mehr Artenvielfalt sollte eigentlich in diesen Tagen vorgestellt werden. Doch wegen der Corona-Krise hat sich die Agenda in Brüssel verschoben, und der Expertenbericht liegt in der Schublade. Der erzwungene Stillstand lässt aber mancherorts erahnen, dass sich die Natur erholen kann, wenn der Mensch zurücktritt.

Sichtbar wird das auch in Europas Gebirgs- und Grenzregionen, aus denen schon seit Jahrzehnten immer mehr Bewohner wegziehen, weil sich Landwirtschaft dort oft nicht mehr lohnt. Die Verfasser der 20 Seiten langen Studie mit dem Titel „Boosting Ecological Restoration for a Wilder Europe“ (Förderung der ökologischen Restaurierung für ein wilderes Europa) sehen darin kein Problem, sondern eine Chance. Sie fordern ein Umdenken, das sich mit einem Wort beschreiben lässt: Rewilding. Vor rund 20 Jahren tauchte der Begriff erstmals in den Diskussionen über das Artensterben und die Agrarkrise auf. Nach Ansicht der Studienautoren ist Rewilding die Lösung für beide Probleme.

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