Wie sonst sollten kirchliche Konflikte entscheidbar sein?


Während der Katholizismus in Deutschland aufgehört hat, eine öffentliche Daseinsmacht zu sein, hält Christiane Florin unbeirrt Katechismus und Konzilstexte hoch: als Folie für Protest und Revolte.

Christian Geyer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Zu ihren Lesungen, so schreibt Christiane Florin, „kommen die Engagierten, die eher linksgebürstet-liberalen. Sie sind mindestens so alt wie ich, meistens älter und meistens treuer. Sie wollen nicht gehen. Sie möchten hören, wie man katholisch bleiben und heil werden kann. Treu, aber nicht doof.“ Es ist dieses in Heinrich Bölls Zeiten groß gewordene Publikum, als der Katholizismus in Deutschland jung und wild war, das sich heute in der Stimme Florins wiederzuerkennen glaubt, im existentiellen Ton ihrer Reformschriften, vom „Weiberaufstand“ bis zu ihrem jüngst erschienenen Buch „Trotzdem! Wie ich versuche, katholisch zu bleiben“.

Damals, in den Siebzigern und Achtzigern, wurde um die Pillenfrage in Talkshows gestritten; um Katechismus und Konzilstexte entbrannten öffentliche Debatten; die Wendung vom „Leiden an der eigenen Kirche“ geriet zum publizistischen Mantra, und von der Würzburger Synode (1971 bis 1975), einer Reformkonferenz, der die Post eine Sonderbriefmarke widmete, ging der Brandgeruch eines bundesrepublikanischen Revolutionsgeschehens aus.

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