Boris Palmer und die Grünen: Das Fass ist übergelaufen


Wegen seiner umstrittenen Corona-Äußerungen wollen die Grünen Boris Palmer die politische Unterstützung verwehren. Hat der umstrittene Tübinger Oberbürgermeister sein Blatt endgültig überreizt?

Helene Bubrowski, Rüdiger Soldt | Frankfurter Allgemeine Zeitung

So sieht sich Boris Palmer ab liebsten: als regionaler Macher mit überregionalem Deutungsanspruch Bild: dpa

Für Boris Palmer wird es eine unangenehme Woche – jedenfalls politisch. Am Montagabend beriet die grüne Gemeinderatsfraktion in Tübingen über die jüngste Provokation ihres grünen Oberbürgermeisters. Am Freitag steht das Thema auf der Tagesordnung des baden-württembergischen Landesvorstandes. „Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären“, hatte Palmer in der vergangenen Woche in einem Fernsehsender über Menschen gesagt, die derzeit täglich auf deutschen Intensivstationen an Covid-19 sterben.

Medial hatte sich die Provokation, wie so häufig bei Palmer, mal wieder ausgezahlt. Er durfte mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach bei Markus Lanz streiten; der 47 Jahre alte Palmer nahm wieder die Rolle ein, die er so liebt, die des Tübinger Großdeuters mit nationaler Bedeutung. In seiner Partei bekam er auf keiner Ebene Rückhalt, seit seinem Amtsantritt 2007 fiel die Kritik noch nie so verheerend aus: Die grüne Bundesvorsitzende Annalena Baerbock sagte überaus deutlich: „Wir werden Boris Palmer bei einer erneuten Kandidatur in Tübingen und auch bei weiteren politischen Tätigkeiten nicht mehr unterstützen. Wir werden außerdem gemeinsam mit dem Landesvorstand Baden-Württemberg prüfen, welche weiteren Sanktionen parteirechtlich möglich sind und Aussicht auf Erfolg haben.“

weiterlesen