Reporter ohne Transparenz

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Die „Reporters sans Frontières“ veröffentlichen jedes Jahr eine Rangliste der Pressefreiheit. Doch wie kommt die eigentlich zustande?

Harald Neuber | TELEPOLIS

Bild: RSF

Vor dem internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai stellte die Medienorganisation Reporters sans Frontières (RSF) auch in diesem Jahr ihre Rangliste der Pressefreiheit vor, die inzwischen einen festen Platz in der Berichterstattung hat. Jährlich geben Agenturen und Redaktionen die Bewertung der Organisation mit Hauptsitz in Paris wieder. Von der französischen Kapitale aus werden Kopfnoten vergeben: Wer hat sich verbessert, wer verschlechtert, wer hat seine Position gehalten?

Die Bewertungen der Medienorganisation haben oft unmittelbaren Einfluss auf die politische Debatte und damit auch auf die Frage, mit wem etwa die Bundesregierung zusammenarbeitet, wer Entwicklungsgelder erhält und wer als kooperationswürdig gilt. Der 1985 gegründeten Organisation kommt damit eine erhebliche politische Verantwortung zu, der sie zumindest methodologisch nicht gerecht wird. Die Entstehung der Rangliste scheint im Einzelfall auf geradezu skurrile Art willkürlich.

Warum aber wird eine solche weitreichende Bewertung von niemandem hinterfragt? Immerhin 62 Mal werden RSF, ihre Rangliste oder ihre Urteile auf der Internetseite der Bundesregierung zitiert. Entweder positiv – „Finnland belegt Platz 2 der Rangliste der Pressefreiheit“ – oder selbstgefällig – „Reporter ohne Grenzen“, so der Name der deutschen Dependance, „sieht Deutschland auf Platz 15, eine leichte Verbesserung gegenüber dem letzten Ranking. Kein Grund sich zurückzulehnen.“ Unter den gut 500 Erwähnungen auf der Bundestagsseite finden sich viele gegen die letztplatzierten Positionierungen , etwa China, zentralasiatische Staaten oder Kuba.

Doch gerade der Blick nach Lateinamerika zeigt eine seltsame Schieflage. Kuba rangiert auf Platz 171 von 180; Mexiko auf Platz 143 und Kolumbien auf Platz 130 weit davor. Dabei sind in Mexiko in den vergangenen 20 Jahren 143 Pressevertreter ermordet worden, zwölf seit Antritt des aktuellen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador vor knapp eineinhalb Jahren. Auch in Kolumbien sind die Mordzahlen erheblich. In Kuba hat kein Journalist sein Leben verloren.

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