Corona-Verschwörungstheorien: Woran Xavier Naidoo glaubt


Der Sänger Xavier Naidoo verbreitet Verschwörungstheorien. Dass er sich damit schadet, ist ihm offensichtlich egal. In langen Youtube-Interviews und in Chatgruppen gibt er Einblicke in seine Gedankenwelt. Experten finden seine Ansichten gefährlich.

Sebastian Eder | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Erde ist eine Scheibe: Xavier Naidoo, hier bei der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar 2019“, wird zunehmend weltfremd. Bild: dpa

Wenn man als Journalist über Xavier Naidoo und seine Internetbekanntschaften berichtet, kann das unangenehme Folgen haben. „Ich habe einen Schwall an Hass-E-Mails bekommen“, sagt ein Redakteur, der Mitte April geschrieben hatte, dass der Mannheimer Sänger seine Fans mit Verschwörungstheorien radikalisiere. Auch Sebastian Leber, der für den „Tagesspiegel“ über Naidoo schrieb, berichtet von „Drohungen und unsäglichen Nachrichten“. Leber hatte öffentlich gemacht, dass Naidoo den mehrfach verurteilten Reichsbürger Rüdiger Hoffmann im Messengerdienst Telegram als „wahren Helden“ bezeichnet hatte. Wenige Tage nachdem der Artikel erschienen war, veröffentlichte Hoffmann, der früher Mitglied der NPD war und wegen versuchten Mordes mehrere Jahre im Gefängnis saß, auf Youtube ein Video, in dem er Naidoo applaudierte – und seinen Anhängern vorschlug, bei Leber anzurufen, um ihm „eure Fanbase“ zu bekunden.

Dieses Video verbreitete ein Nutzer namens „Xavier N.“ in dem öffentlichen Telegram-Kanal „Xavier Naidoo (offiziell)“, der laut Eigenbeschreibung „in gemeinsamer Zusammenarbeit mit Xavier“ betrieben wird, und schrieb dazu: „Danke Rüdiger. Der arme Sebastian, sei doch nicht so hart mit ihm. Ich bewundere die Ausdauer und Hartnäckigkeit von Rüdiger.“

Miro Dittrich, der für die Amadeu-Antonio-Stiftung rechtsextreme Strukturen im Internet beobachtet, ist sich sicher, dass Naidoo viele der Nachrichten in dem Telegram-Kanal selbst veröffentlicht.

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