Ein „globaler Angriff“ auf die Türkei


Der türkische Staatshaushalt lässt größere Hilfen für die Wirtschaft in der Corona-Pandemie nicht zu. Präsident Erdogan verliert in Umfragen an Rückhalt – und greift zu einem bewährten Mittel.

Rainer Hermann | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Rhetorik ist ähnlich. Zunächst hat der amerikanische Präsident Donald Trump Covid-19 als den schlimmsten Angriff auf die Vereinigten Staaten bezeichnet. Dahinter will die türkische Regierungspartei AKP nicht zurückstecken. Denn ihr stellvertretender Vorsitzender Numan Kurtulmus sieht die Türkei einem „globalen Angriff“ ausgesetzt. Damit reagiert der Vertreter des Vorsitzenden Tayyip Erdogan auf die anhaltende Abwertung der Türkischen Lira. Den Bürgern der Türkei versprach Kurtulmus jedoch, sie würden geschützt.

Dazu hatte die Bankenaufsicht am Donnerstag bereits drei internationalen Banken das Recht entzogen, die türkische Währung zu handeln. Was wiederum den britischen Finanzmarktanalysten Timothy Ash zu der Bemerkung veranlasst hat, das sei eine „Kriegserklärung an ausländische Banken“.

Die Türkei zieht sich in eine Wagenburg zurück. Immer mehr, auch das ist eine Parallele zum amerikanischen Präsidenten, setzt sich dabei das Narrativ durch, dass die Türkei in der Pandemie Opfer von externen Akteuren werde, gegen die sich die Führung in Ankara jedoch erfolgreich zur Wehr setze.

weiterlesen