Spur aus der Gefriertruhe

coronavirus sars-cov-2

Der Fischverkäufer Amirouche Hammar ist der neue „Patient null“ in Frankreich – er erkrankte bereits im Dezember. Fälle wie seiner lassen Forscher glauben, dass das Coronavirus schon seit Herbst kursiert.

Paul-Anton Krüger | Süddeutsche Zeitung

Foto: Michel Euler/AP. Amirouche Hammar gilt als neuer „Patient null“ in Frankreich – schon im Dezember war er wegen Grippesymptomen in einer Klinik behandelt worden.

Es ist ein paar Tage her, als bei Amirouche Hammar das Telefon klingelte. In der Leitung war Professor Yves Cohen, der Chef der Intensivstation am Avicenne-Krankenhaus in Bobigny bei Paris und des Jean-Verdier-Krankenhauses in Bondy. Dort hatte Hammar, 53, am 27. Dezember 2019 Hilfe gesucht, nachdem er in der Nacht zuvor Blut gehustet hatte und sein Fieber auf mehr als 40 Grad gestiegen war, wie er nun der französischen Tageszeitung Le Parisien in einem Telefoninterview erzählte. Schon um den 20. Dezember habe sich der Fischverkäufer und Vater von vier Kindern krank gefühlt. „Ich dachte erst, es sei eine saisonale Grippe“, erinnert er sich. Auch im Krankenhaus wurde er zunächst als Routinefall behandelt.

Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie aber nahmen sich die Ärzte noch einmal alle Fälle von ungeklärten schweren Lungenerkrankungen aus dem Dezember und dem Januar vor – und wurden fündig. Ein Test auf Grippeviren war bei Hammar ergebnislos geblieben. Doch noch vorhandene und gelagerte Proben von ihm erwiesen sich bei Tests auf Sars-CoV-2 als positiv. Professor Yves Cohen habe ihm mitgeteilt, dass er nach doppelter Verifikation der neue „Patient Nummer null“ in Frankreich sei.

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