Wie Münchner Forscher der Pandemie ein Ende setzen wollen

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Bisher nicht identifizierte Infizierte und die Antikörper von genesenen Covid-19-Patienten sollen bei der Eindämmung des Virus helfen. Dafür laufen mehrere Dutzend Studien.

Stephan Handel | Süddeutsche Zeitung

Als Michael Hölscher vor vier Wochen gemeinsam mit Ministerpräsident Markus Söder eine Pressekonferenz abhielt, dauerte diese eine halbe Stunde. In dieser halben Stunde, so erzählt Hölscher, liefen auf seinem E-Mail-Account mehr als 250 Mails ein – lauter Menschen, die mitmachen wollten bei der Studie, die er gerade vorstellte. Nun, Mitte Mai, sagt er: „Wir haben genau Halbzeit“: Von 3000 angestrebten Münchner Haushalten als Teilnehmer wurde am Donnerstag der 1500. aufgenommen.

Michael Hölscher ist Direktor des Tropeninstituts der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und leitet die vielleicht wichtigste aller Studien, die sich derzeit in München mit der Erforschung des Coronavirus und der Pandemie beschäftigen: Anhand von 4500 zufällig ausgewählten Testpersonen will er klären, wie hoch die Dunkelziffer der an Covid-19 Erkrankten ist, wie viele Menschen also die Infektion überstanden haben, ohne dass sie in einer offiziellen Statistik auftauchen – weil sie keine oder nur geringe Symptome aufwiesen und deshalb weder getestet noch behandelt wurden. Wie die meisten anderen Forschungsvorhaben ist auch Hölschers Projekt nicht weit genug fortgeschritten, als dass er Ergebnisse präsentieren könnte. Das liegt vor allem daran, dass die Antikörper, nach denen die Wissenschaftler suchen, bei vielen erst bis zu fünf Wochen nach der Infektion nachweisbar sind. Das hat die Forscher überrascht und führte zu Verzögerungen. Hölscher sieht sich und sein Team trotzdem auf einem guten Weg.

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