Konversionstherapie: Spahn feiert sich für lückenhaftes Gesetz – Schlupflöcher für Evangelikale


Das Verbot der Konversionstherapie wurde am Donnerstag verabschiedet. Alfonso Pantisano, Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes, äußert sich im Interview dazu.

Katja Thorwarth | Frankfurter Rundschau

Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit. © picture alliance/Michael Kappeler/dpa

Herr Pantisano, Sie sind Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD). Am Donnerstag wurde das Verbot der Konversionstherapie verabschiedet. Ist das kein Erfolg der Community?

Erstmal ist es sicherlich ein Teilerfolg der Community, denn Schwulen und Lesben haben sich in den letzten Jahren immer wieder beim Gesetzgeber sehr stark gegen diese scharlatanischen, übergriffigen und gefährlichen Taten beschwert. Der LSVD ist die letzten 15 Jahre an diesem Thema drangeblieben. Dabei sind wir, ist die Community lange auf taube Ohren gestoßen. Dass der Bundesgesundheitsminister Spahn, der ja selbst schwul und als CDUler auch Anwalt seiner konservativen Wählerschaft ist, vor einiger Zeit noch nichts von einem Verbot wissen wollte, und sich jetzt für seinen vollkommenen Sinneswandel feiert, und im Ergebnis dann ein lückenhaftes Gesetz heraus kommt, finde ich schon bemerkenswert.

Was stimmt nicht an der Änderung?

Das Gesetz verbietet jetzt „am Menschen durchgeführte Behandlungen“. Soweit so gut, doch der Begriff „Behandlungen“ suggeriert ein Heilungsversprechen und ein erreichbares Behandlungsziel – daher lehnen wir ihn ab, denn Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit sind keine Krankheiten und dementsprechend gibt es nicht zu behandeln.

Also geht es um die Formulierung?

Die Maßnahmen, die doch eigentlich verhindert werden sollen, werden durch diesen Begriff verharmlost. Bei Maßnahmen, die nicht unmittelbar am Körper des Menschen, also per Handauflegen, Berührung und Anfassen angewendet werden, könnten per falscher Interpretation des Gesetzes dazu führen, dass gewaltsame Manipulationen in die Psyche der Menschen weiterhin möglich sein könnten, wie z.B. durch Gebetsgruppen, Therapiegespräche oder Hypnose. Die Diskussionen darüber, was also mit „am Menschen durchgeführte Behandlungen“ gemeint sein könnte, sind programmiert. Das ist nicht nur den Betroffenen, sondern auch für unsere Justiz unzumutbar.

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