Covidioten sind unter uns

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Sie sind wieder da – die selbsternannten Retter von Freiheit und Demokratie. Sie gehen auf die Straße und gerieren sich als Widerständler gegen eine vermeintliche Corona-Diktatur. In Wahrheit sind die Protestler etwas ganz anderes.

Michael Hanfeld | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Falsche Maske, falsch herum aufgesetzt: Demonstrantin auf dem Cannstatter Wasen. Bild: dpa

Bodo Schiffmann weiß es genau. „Für den Lockdown gab es eigentlich nie eine richtige Indikation“, sagt der HNO-Arzt aus Sinsheim und meint, wir müssten „einfach mal darüber reden, was mit unserer Demokratie passiert ist, mit unserer Freiheit, unseren Freiheitsrechten“.

Das meinen jetzt viele. Am Wochenende sind sie auf die Straße gegangen, in Stuttgart, Berlin, Dortmund, Frankfurt, Köln, München und Nürnberg. Ohne Abstand, ohne Schutzmasken, aber in der Gewissheit, das Richtige zu tun. Sie sehen sich als Verteidiger der Demokratie. Von der extremen Linken bis zur extremen Rechten reicht die Phalanx, mittendrin die AfD; ein FDP-Politiker wie der Kurzzeit-Ministerpräsident Thomas Kemmerich ist auch dabei. Die Herrschaften sehen sich im Widerstand gegen eine vermeintliche Corona-Diktatur.

Linke, Rechte, verirrte Liberale, Antifa, Faschisten

Hunderttausend Mitglieder will der „Widerstand 2020“ von Bodo Schiffmann haben. Mitglied wird man wohl schon, wenn man auf die Website klickt. Dann tritt man einem Verein bei, in dessen Namen ein Rechtsanwalt ankündigt, „dass wir uns unsere Freiheit zurückholen“. Für ihn heißt das, dass er die Familie besuchen kann – sie lebt auf Mallorca.

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