„Sie töten uns! Diese Teufel killen unsere Träume!“


Gespräch mit Renata Avila Pinto, Kopf des Anwalts-Teams des globalen Staatsfeindes No. 1, Julian Assange, über den Relaunch von „Progressive International“ mit Sanders, Varoufakis, Sennett und die Haft ihres Mandanten

Marcel Malachowski | TELEPOLIS

Bild: Mirella Avila/CC BY-2.0

Die junge Renata Avila Pinto ist die Sprecherin des größeren internationalen Teams von Rechtsanwälten, das Julian Assange (WikiLeaks) in seiner vermutlichen Spionage- und Hochverratsanklage betreut und juristisch vertritt, analog zur Snowden-Vertretung durch die Berliner Kanzlei Kaleck/Scharmer/Gerloff.

Pinto, spezialisiert auf „geistiges Eigentum“ und Technologie, leitet auch die Intelligent Citizenship Foundation in Santiago de Chile und in Rio de Janeiro. Bekannt wurde sie durch Genozid-Klagen in Guatemala und als Advokatin von Rigoberta Menchu, nachdem sie in Italien und Den Haag Internationales Recht studierte, sehr rar unter Juristen. Heute ist sie auch u.a. Vorstand von Creative Commons und DiEM25 Europe. Sie äußerte sich kritisch im Film „Hacking Justice“ und mit Justiz-Legende Baltasar Garzon betreute sie auch global Whistleblower und Journalisten in Sachen Personen- und Rechtsschutz. Assanges Anwälte waren vermutlich bereits verdeckten Maßnahmen der CIA ausgesetzt. Renata lebt derzeit in Berlin.

„Progressive International“ (PI) ist ein seit heute globaler Zusammenschluss von Politikern, Künstlern, Aktivisten und Bürgern, entstanden aus dem Paneuropa-Netzwerkes DiEM25 von Yanis Varoufakis und US-Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders. Bekannteste Mitglieder und Unterstützer sind zudem u.a. der Ex-Präsident von Ecuador, Rafael Correa, die Premierministerin Islands, Jakobsdottir, Fernando Haddad (BRA), Eli Acorta (Ministerin Argentinien), Naomi Klein, Mike Davis, Arundhati Roy, Aruna Roy, Apolena Rychlikova, Schauspieler Gael Garcia Bernal, Gender-Internationalistin Lyn Ossome, Sexwork-Aktivistin Sarika Sinha, Nanjala Nyabola, CEO Harry Halpin, Wang Hui, Vanessa Nakate, Regisseur Avi Lewis, Ertuglu Kürkcu, sowie zahlreiche (Ex-)Minister und Ex-Diplomaten aus aller Welt. Nach einer Pause nach der Europawahl 2019 startet PI heute mit einer neuen, weltweiten Kampagne für eine „Global Progressive Front“ gegen die tödlichen sozialen Folgen von Covid-19, assoziiert mit „The Nation“. Die PI hat zum Ziel die Wiederaufnahme und massive Ausweitung der keynesianistischen Wirtschafts- und Finanzpolitik von US-Präsident Barack Obama, die Abschaffung von vermeidbarem Tod und gesellschaftlich produzierter Armut.

Varoufakis, der mit der DiEM-Partei MeRA25 (Realistische Ungehorsamkeits-Front, Mera griechisch auch für: „Ein schöner Tag wird kommen!“) Fraktionschef in Athen ist, meint zu Telepolis:

Der Preis für die politischen Fehler vor Covid-19 – den bezahlen jetzt die Toten und die, deren Leben nun zerstört wird durch neue Armut. Wir sind im Widerstand gegen die Feigheit der Nationalen, den tyrannischen Rassismus, räuberische Oligarchen weltweit. Wir wollen Grenzen niederrreißen an allen Fronten – gegen die Faschos und gegen die Markt-Fundis. Das jetzt ist unser Moment für eine gemeinsame Front der Menschlichkeit.

Yanis Varoufakis

Der Filmemacher Juan Aguon sagte uns: „Wir brauchen einander. Dafür steht die PI. Mit ganzem Herzen.“ HOMEF-Direktor Nnimmo Bassey formuliert es aus Benin City, Nigeria, für so: „Wir brauchen die Verschiedenheit von Imaginationen und Träumen für die Würde.“ Noam Chomsky betont gegenüber Telepolis, worum es der PI geht: „Corona zeigt nun, was der Markt angerichtet hat. Meiner Meinung ist die Gefahr da, dass das Experiment Menschheit zu Ende geht – oder wir weden unglorios enden.“

Srecko Horvat erklärt: „Die PI ist die letzte Chance für die Menschheit!“ Und Kapitänin Carola Rackete betont: „Was wir wollen: Eine Wirtschaft für das well-being der Menschen.“ Die PI-Fördererin und in der Türkei per Haftbefehl wegen Spionage gesuchte Ece Tumelkuran, zur Zeit in Berlin, sagte uns: „Der Faschismus ist dabei, die Welt in Besitz zu nehmen. Diese Weltkatastrophe muss verhindert werden durch die Erfrischung unseres menschlichen Glaubens an die Liebe.“

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