Auch die Lutherin trug Mundschutz


Masken sind nicht erst seit Corona vor aller Munde: Die schrägste hängt im Landesmuseum Oldenburg und stammt von Lucas Cranach dem Älteren.

Stefan Trinks | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Lucas Cranach d. Ä., Fragment der „Predigt Johannes des Täufers“ aus einem Altar wohl der Kulmbacher Petrikirche, 70 mal 19,2 Zentimeter, um 1546. Bild: Sven Adelaide/LMO

Das Tragen einer Maske fällt den meisten von uns schwer, und zwar nicht nur deshalb, weil der Tragekomfort so gering und die Atemnot darunter meist groß ist, vielmehr aus kulturhistorischen Gründen. Nahezu jeder dachte wohl anfangs an die altbekannten Abbildungen der Masken der großen Pest von 1348 aus dem Geschichtsbuch, bei denen die oft storchenlangen Schnäbel nach vorne mit wohlriechenden Essenzen wie Myrrhe oder Kampfer gefüllt waren, damit der Hauch des Todes nicht in die Lungen des Maskenträgers gelange. Nur eine Frage der Zeit scheint es derzeit, dass odorierte Masken wie diejenigen der Pestzeit wiederkehren. Und auch viele durch die Corona-Krise in Not geratene Künstler versuchen aktuell, ihre Nase mit dem Schneidern und vor allem verzierenden Gestalten von Masken über Wasser zu halten.

Es existiert allerdings – gerade im protestantisch geprägten Deutschland – noch ein weiterer Grund, warum uns Masken suspekt sind: Ein Gesicht mit Maske ist nicht mehr offen lesbar, es ist die festgeschriebene Verstellung pur. Nur daran, ob die Augenbrauen nach oben oder unten weisen, ist überhaupt noch zu erkennen, wie die Gesinnung des Gegenübers ist: freundlich, übelwollend oder indifferent. In Deutschland tragen nur operierende Ärzte und Bankräuber Masken, sonst gilt unverändert das Vermummungsverbot.

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