CDU-Wirtschaftsrat wegen Demo in Erklärungsnot


Die umstrittene Veranstaltung in Gera wirft nicht nur auf Kurzzeit-Ministerpräsident Kemmerich ein fragwürdiges Licht. Denn der Veranstalter sitzt im Landesvorstand des CDU-Wirtschaftsrats. Der Rat und die Partei distanzieren sich jetzt.

Robert Roßmann | Süddeutsche Zeitung

Foto: Martin Schutt/dpa. Bei einer Kundgebung in Erfurt am 1. Mai trug Thüringens FDP-Chef Thomas Kemmerich noch Mund-Nasen-Schutz, am Samstag in Gera verzichtete er darauf.

Es war nur eine vergleichsweise kleine Veranstaltung, aber sie bringt nach der FDP nun auch die CDU in Erklärungsnot. Am Samstag hatten in Gera Bürgerinnen und Bürger gegen die Auflagen zur Eindämmung des Corona-Virus demonstriert. Unter den Teilnehmern waren auch Rechtsradikale. Thüringens Kurzzeit-Ministerpräsident Thomas Kemmerich (FDP) hatte sich trotzdem in den Protest eingereiht – und sich dabei weder an die vorgeschriebenen Abstandsregeln gehalten, noch einen Mundschutz getragen. Außerdem ließ er sich vom Veranstalter widerspruchslos als „einziger aktuell legitimer Ministerpräsident“ ankündigen, dabei regiert in Thüringen längst wieder Bodo Ramelow.

In der FDP sorgte das für Entsetzen. „Wer sich für Bürgerrechte und eine intelligente Öffnungsstrategie einsetzt, der demonstriert nicht mit obskuren Kreisen und der verzichtet nicht auf Abstand und Schutz“, twitterte Parteichef Christian Lindner zum Auftritt Kemmerichs. Die CSU wurde noch deutlicher. „Bei der FDP brennen die Sicherungen durch“, schimpfte CSU-Generalsekretär Markus Blume. Es sei ein Unding, dass Kemmerich zusammen mit Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern demonstriert habe. Dabei hätte Blume Grund gehabt, nicht nur die FDP anzugreifen.

weiterlesen