Corona darf die Missbrauchsaufarbeitung nicht verschleppen


Die vorgesehenen Gespräche mit Missbrauchsopfern werden darunter leiden, wenn sie nicht persönlich geführt werden können, kommentiert Stefan Orth. Gerade deshalb dürfe die Corona-Pandemie zu keiner weiteren Verzögerung bei der Aufarbeitung führen.

Stefan Orth | katholisch.de

Das rechte Verhältnis von Nähe und Distanz ist angesichts des Corona-Virus und von Covid-19-Erkrankungen aus guten Gründen zu einem der beherrschenden Themen geworden. Emotionale Nähe erfordert aktuell oft genug Distanz. Bei anderen Vorzeichen stand der Balanceakt zwischen den beiden Polen auch schon vorher im Mittelpunkt: grundsätzlich bei der Frage nach der Verhinderung von sexualisierter Gewalt, vor allem aber mit Blick auf Kinder, Jugendliche und Schutzbefohlene, nicht zuletzt im Raum der Kirchen.

Die aktuellen Entwicklungen verschärfen jetzt auch die Bedingungen für die Aufarbeitung der schrecklichen Geschehen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten. Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs, Sprecherin des Beauftragtenrates der EKD zum Schutz vor sexualisierter Gewalt, hat am Wochenende darauf aufmerksam gemacht, dass die Arbeit langsamer vorangehen werde als geplant. Allein die Auswahl der zu beteiligenden Betroffenen verzögert sich. Auch wenn die kirchliche Arbeit derzeit durch erzwungene Videokonferenzen einen in vielerlei Hinsicht heilsamen Digitalisierungsschub erfährt: Online-Tools stoßen auch an Grenzen, wenn es um heikle persönliche Erfahrungen geht.

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