Über die neue Normalität, die Linke und den Irrationalismus


Es ist nicht verwunderlich, dass irrationale Bewegungen in der Corona-Krise stark werden. Es sollte vielmehr gefragt werden, warum in der linken Bewegung so wenig zu hören ist?

Peter Nowak | TELEPOLIS

Tausende sind in den Tagen bundesweit gegen die Corona-Einschränkungen in deutschen Städten auf die Straße gegangen. Es waren längst nicht alles Rechte, aber es sind überwiegend rechtsoffene Veranstaltungen.

Das bekam Hendrik Sodenkamp vom Demokratischen Widerstand zu spüren, als er in Berlin einer Gruppe Rechter deutlich machen wollte, dass sie dort unerwünscht sind. Vor allem aber zeigt sich überall der Irrationalismus der Corona-Notstand-Kritiker.

Vom Irrationalismus der Impfgegner

Ein Beispiel ist eine Pressekonferenz des „Demokratischen Widerstand“, wo der Schwerpunkt nicht mehr auf dem Kampf um die Grundrechte liegt, sondern auf dem Ticket der Impfgegner gefahren wird. Dabei raunt ein Arzt, dass der Impfstoff mit anderen Zusätzen versehen sein könnte, mit dem vagen Hinweis, das sei bereits mal in Kenia geschehen.

Es ist fatal, wenn Gruppen, die berechtigterweise den Corona-Notstand anprangern, sich nun auf das Feld der Impfgegner begeben. Dabei wäre ein durch medizinische Forschungsergebnisse abgesichertes Impfserum das beste Mittel, um allen Grundrechtseinschränkungen den legitimatorischen Boden zu entziehen. Zudem war es historisch immer so, dass Impfkampagnen Kennzeichen von linken Bewegungen in ihrer fortschrittlichen Phase waren.

Sowohl in Kuba wie in Nicaragua sorgten Impfungen dafür, dass viele gefährliche Krankheiten dezimiert wurden und die Lebenserwartung der Menschen gestiegen ist. Wenn man dem rationalen und vernünftigen Grundsatz folgt, dass das Ziel einer fortschrittlichen Gesundheitspolitik sein sollte, allen Menschen auf der Erde einen nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen möglichen medizinischen Schutz zukommen zu lassen, dann gehören dazu natürlich auch Impfungen.

Gegner waren schon immer rechte und klerikale Bewegungen, die in nachrevolutionären Bewegungen Ärzte und Impfteams ermordeten. Daher kann die Frage der Impfung auch eine notwendige Spaltungslinie in der Bewegung gegen die Corona-Einschränkungen sein. Auch ein Kreis von Klerikern hat sich mit einem Aufruf zum weltweiten Corona-Notstand geäußert. Auch dort ist ein deutlich verschwörungstheoretischer und so strukturell antisemitischer Unterton hörbar.

Der Kampf gegen Covid-19, so ernst er auch sein mag, darf nicht als Vorwand zur Unterstützung undurchsichtiger Absichten übernationaler Organisationen und Gruppen dienen, die mit diesem Projekt sehr starke politische und wirtschaftliche Interessen verfolgen. Insbesondere muss den Bürgern die Möglichkeit gegeben werden, Einschränkungen der persönlichen Freiheiten abzulehnen und straffrei sich einer drohenden Impfpflicht zu entziehen und Tracingsysteme oder ähnliche Instrumente nicht zu benutzen.

Aus dem Aufruf für die Kirche und für die Welt

Es ist schon merkwürdig, dass konservative Kleriker, die das Leben der Menschen mit scheinbar göttlichen Geboten reglementieren und besonders in das Leben von Frauen und sexuellen Minderheiten eingreifen wollen, sich als Kämpfer für den Liberalismus gerieren.

Warum wird Misstrauen gegen Regierungen mit Antisemitismus auf eine Stufe gestellt?

Solche reaktionären und irrationalen Gruppen dürfen aber kein Vorwand sein, um alle Gegner des Corona-Notstands in die Ecke von Rechten und Verschwörungstheroretikern zu stecken, wie es aktuell leider von linken und liberalen Medien praktiziert wird.

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