Die große Impfstoff-Provokation


Sanofi wird zuerst die Amerikaner mit einem Impfstoff beliefern. Der Pharmahersteller schadet damit der Branche, der gesamten Privatwirtschaft und dem Vertrauen in die Solidarität in Zeiten der weltweiten Pandemie.

Christian Schubert | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ob sich der Pharmakonzern Sanofi mit dieser Ansage einen Gefallen getan hat? Bild: Reuters

Sobald wir einen Impfstoff haben, statten wir zuerst die Amerikaner damit aus – das hat der Vorstandsvorsitzende des französischen Pharmaherstellers Sanofi, der Brite Paul Hudson, im Interview mit der amerikanischen Nachrichtenagentur Bloomberg verkündet. Die Vereinigten Staaten hätten einen geölten Subventionsapparat namens Biomedical Advanced Research and Development Authority (Barda), eine Behörde, die zusammen mit der Industrie Impfprogramme vorbereite und finanziell unterstütze.

Barda ist in der Tat eine interessante Konstruktion. Während der Schweinegrippe H1N1 2009/2010 war den Amerikanern aufgefallen, dass sie keine Impfstoffe hatten. Das Ausland gab nichts her, so gründeten sie die mit vielen Spezialisten ausgestattete Behörde, die mit der Industrie Verträge über die finanzielle Unterstützung für Entwicklungskosten und Produktionsstätten abschließt. Die Industrie darf die Patente behalten, muss aber die Impfstoffe auf amerikanischem Boden entwickeln und herstellen.

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