Wir müssen den politischen Islam in die Schranken weisen


Nichts gegen einen politischen und gesellschaftlichen Dialog mit allen religiösen Gruppierungen. Aber Vereinigungen, die vom Verfassungsschutz des Bundes oder der Länder beobachtet werden, sollten nicht in Beiräten an Schulen und Universitäten mitwirken.

Joachim Wagner | WELT

Islamunterricht in einer Frankfurter Schule. Das Land Hessen hat Ende April die Zusammenarbeit mit dem türkischen Moscheeverband Ditib beim islamischen Religionsuntericht beendet
Quelle: picture alliance/dpa

Anfang April 2018 hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine kleine Delegation der Islamischen Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands (IGS) im Schloss Bellevue empfangen. An der Spitze der Vorsitzende Mahmood Khalilzadeh, der nach Auffassung der Bundesregierung zum „politisch-religiösen Establishment der Islamischen Republik Iran“ gehört.

Iranische Regimekritiker und -opfer waren empört. Für den Vorsitzenden der Green Party of Iran, Kazem Moussavi, war die Einladung des schiitischen Verbandes eine „Beleidigung der Opfer des Holocaust, der vom Regime geleugnet wird“.

Das Bundespräsidialamt hielt dagegen: Der „interreligiöse Dialog“, im Rahmen dessen Steinmeier auch die Ditib und den Zentralrat der Muslime empfangen hatte, diene dem „friedlichen und toleranten Zusammenleben in Deutschland“.

Die Kontroverse über den Empfang der Mullahdelegation im Schloss Bellevue ist ein typisches Beispiel für die Orientierungslosigkeit unserer Gesellschaft und Politik im Umgang mit dem politischen Islam, dessen Sprachrohr der konservative Verbandsislam ist.

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