Auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit, vor 25 000 Jahren, bauten Menschen ein kreisförmiges Haus – aus den Schädeln und Kiefern von mehr als 60 Mammuts


Das jetzt im russischen Kostjonki ausgegrabene Gebäude aus dem Jungpaläolithikum ist nicht das einzige seiner Art, aber offenbar das älteste. Erstmals wollen die Archäologen Hinweise auf die Funktion dieser Bauten gefunden haben.

Esther Widmann | Neue Zürcher Zeitung

Die in Kostjonki entdeckte, 25 000 Jahre alte Struktur besteht aus den Schädeln und Kieferknochen von Mammuts und hat einen Durchmesser von 12,5 Metern. Alexander E. Dudin/ Antiquity Publications Ltd.

Das eiszeitliche Maximum: Grosse Teile Europas sind von Eis bedeckt, der Rest eher Tundra als Wald. Es ist kalt, im Winter minus 20 Grad Celsius oder weniger. In Frankreich, Süddeutschland, Spanien und anderswo nutzen die Menschen Höhlen im Fels, die, wenn es darin auch eher feuchtkalt ist, doch zumindest Schutz vor den ständigen Stürmen, vor Regen und Staub bieten.

In der osteuropäischen Ebene, da, wo heute Russland ist, gibt es keine Höhlen. Bäume, um daraus Zelte oder Hütten zu bauen oder ein wärmendes Feuer anzuzünden, sind rar. Was es gibt, sind Knochen. Knochen von allem, was die Menschen damals erbeuten konnten. Mit ihnen kann man Feuer machen, sie brennen sogar heller als Holz – aber weniger warm. Und man kann bauen: In Kostjonki in Russland haben Archäologen jetzt ein Knochenbauwerk aus der Eiszeit ausgegraben, einen Ring – vor allem aus den Schädeln von Mammuts – mit einem Durchmesser von 12,5 Metern. Es ist nicht die einzige solche Struktur, die man kennt, aber die bisher älteste. Und erstmals haben die Wissenschafter die Ablagerungen in dem und um das Bauwerk so sorgfältig untersucht, dass sie glauben, die Frage nach seiner Funktion beantworten zu können. Ihre Ergebnisse haben sie in der Zeitschrift Antiquity veröffentlicht.

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