Russische Hackerangriffe: Lawrow spöttelt über Merkels Vorwürfe


Deutsche Ermittler sind sicher, dass Moskau hinter dem Hackerangriff auf den Bundestag vor fünf Jahren steht. Die Bundeskanzlerin erhebt schwere Vorwürfe gegen Russland. Doch dort gibt man sich gelassen.

Friedrich Schmidt, Markus Wehner | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Vorwürfe sind für ihn meist nur „Russophobie“ – Sergej Lawrow Bild: EPA

Beiläufig und routiniert hat der russische Außenminister Sergej Lawrow am Freitag Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeworfen, haltlose, antirussische Vorwürfe zu erheben. Lawrow bezeichnete die unter anderem von Merkel erhobenen Vorwürfe zu einem Hacker-Angriff von 2015 als „ganz frisches Beispiel aus der Kategorie highly likely“.

Diese britische, juristische Formel benutzte Lawrow zunächst, um die britischen Vorwürfe zu dem vermutlich von russischen Agenten verübten Nervengiftanschlag von Salisbury im Jahr 2018 lächerlich zu machen. Schon länger verwendet der Minister die Formel aber auch, um andere Vorwürfe gegen Russland ins Reich von „Russophobie“ und Hysterie zu verbannen.

Dabei lässt der Minister außen vor, dass aus ausländischen Vorwürfen zu klandestinen russischen Auslandsaktivitäten schwerlich gerichtlich festgestellte Sachverhalte werden können, wenn Moskau im Ermittlungsstadium nicht bei der Aufklärung mithilft. Damit werden sie meist „in hohem Maße wahrscheinlich“ bleiben. Die Vorwürfe gegen Deutschland erhob Lawrow in einem großen Interview mit der Mediengruppe RBK, sie spielten in ihm nur eine Nebenrolle. Der Minister sagte weiter, fünf Jahre seien seit der angeblichen Hacker-Attacke auf den Bundestag vergangen. „Keine einzige konkrete Tatsache ist vorgelegt worden“, behauptete Lawrow.

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