Der Corona-Kardinal und die katholische Militärministerin


Rechtsklerikale Verschwörer und unbekümmerte „Liberale“ sabotieren gleichermaßen die Lebens-Botschaft des Papstes

Peter Bürger | TELEPOLIS

Kardinal Gerhard Ludwig Müller (rechts im Bild neben Kardinal Meisner). Bild: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Nach Berechnungen der Johns Hopkins University sind weltweit bislang etwa 300.000 Menschen der Corona-Pandemie aufgrund schwerer Infektionsverläufe zum Opfer gefallen. Die Ungewissheiten bezogen auf geeignete Präventionsstrategien, den Aussagewert der Statistiken und möglicherweise noch weitaus dramatischere Szenarien für die nähere Zukunft sowie die Gefahren eines politisch-ökonomischen Missbrauchs der Krisensituation werden in einem breiten öffentlichen Diskurs thematisiert.

Von dieser sachbezogenen Debatte zu unterscheiden ist ein seit Mitte März anschwellender Infokrieg von todesmutigen „Aufklärungshelden“, der – flankiert von leicht erkennbaren Querfront-Strategien und selektiver Bürgerrechtsrhetorik („Deutschland erhebt sich“ u.s.w.) – einer angestrebten rechten Hegemonie im Netz und auf der Straße zuarbeitet.

Auch einige Kirchenleute, versammelt unter dem Bild des drachentötenden Erzengels Michael, wollten die Gunst der Stunde nicht ungenutzt lassen. Sie veröffentlichten ausgerechnet mit dem Unterzeichnungsdatum „8. Mai“ einen dramatischen „Corona“-Aufruf, in dem sie von der „allerseligsten Jungfrau“ Maria einen Sieg über die „alte Schlange“ (d.i. der Teufel) und „die Pläne der Söhne der Finsternis“ erbaten.

Denn es drohe jetzt der Zivilisation die Aufrichtung einer „verabscheuungswürdigen technokratischen Tyrannei“, in welcher gottlose Menschen im Zuge einer virtuell bewerkstelligten Auflösung des Realen „über das Schicksal der Welt entscheiden können“. Das diesem Text zugrundeliegende Paradigma ist aus der Antisemitismus-Forschung nur zu gut bekannt.

Der Papst spricht von einem anderen Ernstfall der Zivilisation

Die Prominenz in der Unterzeichnerliste des Alarmrufes „Die Wahrheit macht euch frei“ wird angeführt von den einschlägigen innerkirchlichen Gegnern des Papstes. Zahlreiche Bischöfe und Laienvertreter, die einem freiheitlichen, aufgeklärten Katholizismus zuzuordnen sind, haben den Reaktionären hierzulande in denkbar deutlicher Form widersprochen, was u.a. im Corona-Dossier von katholisch.de ziemlich vollständig nachgelesen werden kann.

Im vorliegenden Beitrag geht es hingegen nicht um die Corona-Pandemie, sondern um die Sabotage des so euphorisch begonnenen Pontifikates des gegenwärtigen Petrus-Nachfolgers aus Argentinien. Hierbei sollen unter Berücksichtigung historischer Aspekte die Programme der klerikalen Rechten und des bürgerlichen Katholizismus gleichermaßen zur Sprache kommen, aber auch die persönlichen Begrenzungen des Papstes.

Die Sache ist unabhängig von religiösen oder weltanschaulichen Standorten bedeutsam, denn mehr als 16 Prozent der gesamten Weltbevölkerung zählen zu der mit Rom verbundenen Christenheit.

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