Die Schließung der Grenzen hat alte Ressentiments wiederbelebt

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Den Deutschen wird Arroganz vorgeworfen, den Franzosen Überempfindlichkeit. Eigentlich sollte die Grenzregion Labor für mehr Integration sein. Ein Gastbeitrag.

Claire Demesmay | DER TAGESSPIEGEL

Straßenbahn unterbrochen. Ein Einsatzfahrzeug der Bundespolizei nahe der Europabrücke am Grenzübergang Kehl nach Frankreich.Foto: Phillip von Ditfurth/dpa

In Zeiten von Covid-19 löst sich so manches Selbstverständnis auf. Dazu gehören die Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union und das Zusammenleben in den Grenzregionen.

In Rekordzeit wurden die Grenzen zwischen den EU-Mitgliedstaaten wiedererrichtet, deren Abbau Jahrzehnte gedauert hatte.

An der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich, einer der am stärksten integrierten grenzübergreifenden Regionen Europas, hatten in den vergangenen Monaten nur wenige Zugang zum Nachbarland.

Familien werden getrennt, französische Arbeitnehmer hatten Schwierigkeiten, an ihren Arbeitsplatz in Deutschland zu gelangen, und Hunderte von Unternehmen mit Sitz im Grenzgebiet befürchten ungeahnte wirtschaftliche Folgen.

Gerade erst war mehr Integration in der Grenzregion vereinbart worden

Die faktische Schließung der Grenze wurde ohne Abstimmung mit den betroffenen Nachbarstaaten entschieden. Dies ist umso schockierender, wenn man bedenkt, dass Deutschland und Frankreich sich gerade erst verpflichtet hatten, ihrer Beziehung eine neue Dynamik zu verleihen.

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