„So wurde beinahe ganz Judäa zur Einöde gemacht“


Ein Neufund in der Altstadt von Jerusalem wirft Licht auf den letzten Aufstand der Juden gegen Rom, der 135 n. Chr. in einer Katastrophe endete

Berthold Seewald | WELT

Der jüdische Traum schien im Jahr 133 n. Chr. wahr geworden zu sein. Geführt von einer messianischen Gestalt, die sich „Fürst Israels“ nannte, hatten die Juden die römische Herrschaft zumindest in Judäa abgeschüttelt und hofften auf Erlösung durch Jahwe nach der Wiedergewinnung des Tempels in der „Heiligen Stadt“ Jerusalem.

Dort, am Südwestabhang des Tempelberges, haben Archäologen jetzt ein eindrucksvolles Zeugnis dieser endzeitlichen Erwartungen gefunden: eine Bronzemünze. Eine Seite ist mit Trauben verziert und trägt die Inschrift „Jahr zwei der Befreiung Israels“, teilt die israelische Altertumsbehörde mit. Auf der andere Seite prangt eine Palme und das Wort „Jerusalem“.

Es sei das erste Mal, dass eine Münze aus jener Zeit mit der Aufschrift „Jerusalem“ in der Altstadt gefunden wurde, heißt es in der Mitteilung der Behörde. „Jene Zeit“ war das dritte und letzte große Aufbegehren der Juden gegen Rom. Nach dem großen Aufstand 66 unter Kaiser Nero, der 70 mit der Zerstörung des Tempels endete, und der Erhebung der Diaspora-Juden während des Feldzugs Trajans gegen die Parther 115 bis 117 versuchten die Juden 132 bis 135 noch einmal, die Gottesherrschaft zu errichten. Nach dem „Fürsten David“, von dem bereits der Prophet Ezechiel gekündet hatte, wurde ihr Anführer Bar Kochba (Sternensohn) genannt. Er gab dem Aufstand seinen Namen.

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