Libyen: Haftar verliert, die Türkei gewinnt


Der Abzug der LNA von der Luftwaffenbasis Watia wird als Wendepunkt bewertet. Nato-Generalsekretär Stoltenberg deutet Unterstützung der Regierung Sarradsch an

Thomas Pany | TELEPOLIS

LNA-Soldaten beim Drill ohne Waffen. Bild: Proganda/LNA

Syrer kämpfen gegen Syrer in Libyen und die Türkei ist dabei, einen festen strategischen Außenposten in Nordafrika zu etablieren. Das Kriegsgeschehen in Libyen hat sich mit dem militärischen Einsatz der Türkei, der im Dezember vergangenen Jahres begann, verändert.

Am Montag machten die von ihr mit 57 Luftangriffen binnen zwei Wochen unterstützten Milizen der Einheitsregierung (GNA) eine wichtige Eroberung: den Militärflughafen Watia südwestlich von Tripolis. Damit wurden ihrem Gegner, dem Milizenverbund unter dem Namen Libysche Nationalarmee (LNA), ein zentraler Stützpunkt genommen. Die Truppen unter Befehl des Feldmarschalls Khalifa Haftar zogen sich zurück.

Feldmarschall Haftar in einer neuen Position

Wie wichtig die Luftwaffenbasis Watia für Haftars Truppen ist, zeigt sich daran, dass sie auch aus Vororten Tripolis‘ abgezogen wurden. Sie haben nun große Nachschubprobleme. Das Ziel, die Hauptstadt einzunehmen, das Haftar vor gut einem Jahr siegesgewiss ausrief, ist nun in weite Ferne gerückt. Haftar rechnete damals mit einer schnellen Eroberung Tripolis, wo die GNA-Regierung ihren Sitz hat. Der starke Mann des libyschen Ostens baute darauf, dass sich ihm kein Widerstand bei der „Befreiung der Hauptstadt von Terroristen“ entgegenstellen würde.

Doch es kam anders und mit dem Eingreifen des türkischen Militärs setzte sogar eine Wende ein, die nun mit der Eroberung Watias einen viel beachteten Erfolg verzeichnet. Ob er anhalten wird, ist laut Beobachtern allerdings unsicher. Auch die LNA verfügt über internationale Unterstützung. Am deutlichsten von den Vereinigten Arabischen Emiraten, aber auch, wenn auch mehr im Hintergrund, von Russland und Frankreich.

Eskalation oder Annäherung an eine politische Lösung?

Wie sie auf den Rückschlag Haftars reagieren werden, ist nun die Frage: Ob der Rückzug der Truppen Haftars womöglich nur ein taktischer ist und er mit Verstärkung rechnen kann? Damit ginge das Risiko einher, dass die kriegerischen Auseinandersetzungen in Libyen eine neue Dimension annehmen, mit heftigeren Kämpfen, noch mehr Waffeneinsatz und mehr Opfern.

Schon jetzt nimmt die Befürchtung, die auch die deutsche Kanzlerin Merkel mehrfach geäußert hat, wonach sich Libyen zu einem Kampfschauplatz wie in Syrien entwickeln könnte, konkretere Gestalt an. Nach Informationen von Beobachtern hat nicht nur die Türkei einige Tausend syrische Kämpfer aus islamistischen Milizen nach Libyen gebracht, sondern es sollen im Zuge einer verstärkten Verbindung zwischen Haftar und Damaskus auch „Assad-treue“ syrische Kämpfer ins nordafrikanische Land gekommen sein, um Haftar zu unterstützen. Zahlen dafür sind allerdings nicht zu finden.

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