MH17: Interview mit Girkin sorgt für Aufregung


Der ehemalige Kommandeur der separatistischen Streitkräfte und einer der vier Angeklagten im MH17-Prozess räumt in einem Interview in Kooperation mit dem ukrainischen Geheimdienst eine „indirekte Verantwortung“ ein

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Bild: TP

Im MH17-Prozess wird der 49-jährige Russe Igor Girkin bzw. Igor Strelkov bzw. Strelok zusammen mit den Russen Sergej Dubinskij und Oleg Pulatow sowie den Ukrainer Leonid Kharchenko beschuldigt, für den Abschuss der malaysischen Passagiermaschine verantwortlich zu sein. Die Anklage ist Mord an den 298 Insassen, die vier werden nicht beschuldigt, direkt am Abschuss beteiligt gewesen zu sein, sondern in der Kommandokette oben gestanden zu haben, um das Buk-System aus Russland an den Abschussort und wieder zurück zu bringen.

Girkin hatte für russische Geheimdienste gearbeitet und wurde Ende April 2014 zum Kommandeur der bewaffneten Verbände der „Volkrepublik Donezk“, nachdem er zunächst auf der Krim tätig war und in Sloviansk Milizen aufgebaut hat. Zuvor hat er bei den Kämpfen in Tschetschenien und Tansnisterien und im Bosnien-Krieg mitgewirkt. Anfang Juli 2014 musste Girkin mit seinen Kämpfern aus Sloviansk fliehen, er hatte Russland um militärische Hilfe gebeten, sie aber nicht erhalten.

Am 17. Juli gab es etwa zur Zeit des Abschusses von MH17 ein Posting unter dem Namen von Girkin, indem vom erfolgreichen Abschuss einer ukrainischen Militärmaschine bei Torez die Rede war: „Wir haben euch gewarnt. Fliegt nicht in unserem Luftraum.“ Das Posting wurde schnell wieder gelöscht, fraglich ist, ob es Girkin geschrieben hat. Girkin sagte 2015, er sei um 16:30 unterrichtet worden, dass ein ukrainisches SU-25-Kampfflugzeug bei Snischne abgeschossen worden sei. Um 17:30 habe er dann die Nachricht erhalten, es sei ein unbekanntes Flugzeug abgestürzt. MH17 stürzte zwischen 16:20 und 16:25 ab. Girkin gilt dem Gemeinsamen Ermittlungsteam als „höchster militärischer Offizier“, der in Kontakt mit Russland stand.

Die Separatisten waren es nicht

Ein vierstündiges Interview, das Girkin jetzt dem ukrainischen Journalisten Dmitry Gordon über Skype gab und am 18. Mai veröffentlicht wurde, sorgt nun für Aufregung. Das auch deswegen, weil Gordon erklärte, er habe das Gespräch und eines mit Natalija Poklonskaja, der früheren Generalstaatsanwältin auf der Krim, in Kooperation mit dem ukrainischen Geheimdienst SBU aufgezeichnet.

In der Ukraine seien diese nie befragt worden. Er habe die Aufzeichnungen auf einem USB-Stick auch zum Internationalen Strafgerichtshof nach Den Haag geschickt, vor dem die Ukraine eine Klage gegen Russland eingereicht hat (Schlappe für Kiew vor dem Internationalen Gerichtshof). Der Prozess steht noch aus, das Gericht hat im November 2019 die Klage angenommen und sieht sich zuständig. Gordon kam unter Kritik, weil das Interview mit Girkin terroristische Propaganda sei.

weiterlesen