Warum Kirche als Kundin der Fleischindustrie keine gute Figur macht


Um Fleisch unter wirklich fairen Bedingungen für Mensch und Tier zu verarbeiten, wäre nicht weniger als ein Systemwechsel nötig. Ein Systemwechsel, zu dem die Kirche beitragen könnte, es aber noch immer nicht wirklich tut, beklagen Theologen.

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Den aktuellen Skandal um die gehäufte Zahl von Corona-Fällen in deutschen Fleischbetrieben sieht Peter Kossen auch als Chance, dass sich endlich „substanziell etwas ändert“. Seit vielen Jahren kämpft der katholische Pfarrer für die Rechte der meist bulgarischen und rumänischen Arbeiter in der deutschen Fleischindustrie. Jetzt erlebt er eine öffentliche Sensibilisierung und wünscht sich gerade auch von seiner Kirche ein seiner Meinung nach längst überfälliges Umdenken.

Schließlich betreibe die Kirche noch immer viele Altenheime und Kindergärten, Kranken- und Bildungshäuser im ganzen Land und habe damit eine „große Marktmacht“. Würde in all diesen Einrichtungen tatsächlich nach ethischen Kriterien eingekauft und gekocht, dann „würde sich der Markt schnell darauf einstellen und das würde seine Auswirkungen haben“, meint Kossen, der im aktuellen Skandal als „Sozialpfarrer“ ein gefragter Gesprächspartner der Medien ist.

„Wir sind da als Kirche oft zu lahm“

In seiner Heimat im Oldenburger Land, einem Hotspot der Massentierhaltung und industriellen Fleischproduktion, habe er auch immer wieder erlebt, wie manch ein Fleischbaron als potenter Kirchensteuerzahler offensichtlich auch auf die Kirche großen Einfluss habe. „Kirchliche Protagonisten hatten doch Sorge, diese Leute nicht zu verprellen“, so Pfarrer Kossen.

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