Impfstoff? Freut euch nicht zu früh!


Wer in den Kampf gegen Covid-19 investiert, erwirbt sich damit auch privilegierten Zugang. Die Aneignung der Impfstoff-Entwicklung durch die Politik ist allerdings nicht unproblematisch.

Winand von Petersdorff | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Arbeit im Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac Bild: dpa

Der Verteilungskonflikt um einen Covid-19-Impfstoff bietet die Basis, auf der sich Fahnenschwenk-Patriotismus und Anti-Amerikanismus genussvoll austoben können. In der Zelebration der Empörung darüber, dass sich die Amerikaner prioritären Zugriff auf einen Impfstoff gegen Covid 19 des französischen Unternehmens Sanofi gesichert haben könnten, wird allerdings eine Binsenweisheit vernachlässigt.

Es hat sich bewährt, die Kuh erst zu melken, bevor man sich an die Verteilung des Camemberts macht. Denn der Impfstoff, der so viel Sehnsucht weckt, existiert noch nicht. Wir wissen nicht, wann er auf den Markt kommt, wer ihn entwickeln und produzieren wird und wie wirksam er sein wird. Wir können noch nicht einmal vorhersagen, ob er noch gefragt sein wird, wenn er fertig ist.

Das vorausgeschickt, bleibt es sinnvoll, sich Gedanken über eine Verteilung eines Impfstoffs zu machen, den alle Regierungen haben wollen. Sanofi ist in politischer Naivität von einem bewährten Mechanismus ausgegangen, demzufolge jenes Land bevorzugte Zuteilung genießt, dessen Regierung den Konzern am stärksten vom Risiko der Entwicklung und Produktion eines Impfstoffs entlastet.

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