Die Corona-Babys von Kiew


Leihmütter tragen ein Kind aus, die Eltern aus dem Ausland holen es kurz nach der Geburt: In der Ukraine ist das ein ganzer Geschäftszweig. In der Corona-Krise funktioniert das fragwürdige Modell nicht mehr.

Jo Angerer | tagesschau.de

Kinderpflegerinnen kümmern sich um Neugeborene, die in der Corona-Pandemie nicht von ihren späteren Eltern abgeholt werden können. Bild: tagesschau.de

So einen Job hatte Olena Umanets noch nie. Mit ihren Kolleginnen passt das Kindermädchen auf rund 100 Neugeborene auf, die Bettchen an Bettchen in einem Hotelzimmer in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ihre ersten Lebenstage verbringen müssen.

Ausgetragen und geboren wurden sie von ukrainischen Leihmüttern für Eltern im Ausland. Doch wegen der Corona-Pandemie sind jetzt die Grenzen dicht. „Wir schauen Tag und Nacht nach den Kindern“, sagt Umanets. „Wir versuchen, die Eltern zu ersetzen, auch wenn das unmöglich ist.“

Die Bilder der Babys im Hotel gehen um die Welt. Sie werfen ein Schlaglicht auf eine fragwürdige Geschäftspraxis: Leihmutterschaft in der Ukraine. Dort ist legal, was in vielen Ländern – auch in Deutschland – verboten ist: Frauen werden befruchtete Eizellen kinderloser Eltern eingesetzt, sie tragen das Baby gegen Geld aus, gebären es und übergeben es den genetischen Eltern. In der Ukraine ist dies eine ganze Industrie. Gebärkliniken und unzählige Vermittlungsorganisationen arbeiten eng zusammen.

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