Großbritannien: Der Preis der Unabhängigkeit


Wegen der Corona-Pandemie steckt Großbritannien laut der Bank of England in der schwersten Rezession seit 300 Jahren. Die Regierung bleibt trotzdem beim harten Brexit.

Bettina Schulz | ZEIT ONLINE

Blick auf den Canary-Wharf-Finanzdistrikt in London © Marika Kochiashvili/​Reuters

Die britische Regierung mutet ihrer Wirtschaft viel zu. Als ob die von der Corona-Pandemie ausgelöste Rezession nicht genug wäre: Im Juni werden die Regierung und die EU den Verhandlungsstand in Sachen Brexit bewerten, und schon jetzt ist sicher, dass es keine Fristverlängerung geben wird. Die britische Regierung will sie nicht. Damit ist die Schonfrist Ende des Jahres vorbei, und dann scheidet das Vereinigte Königreich mit allen Konsequenzen aus dem Binnenmarkt und der Zollunion aus.

In der jetzigen Corona-Krise erscheint der Regierung unter Boris Johnson ein solch harter Schnitt besser als eine noch längere Hängepartie. Sie will die mit dem Brexit verbundene Unsicherheit für die Unternehmen beenden und dann – nach dem Corona-Kollaps – die Wirtschaft komplett neu ausrichten.

Der Geschäftsführer der Deutsch-Britischen Handelskammer in London Ulrich Hoppe erwartet, dass sich die Briten und die EU mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent auf die abgespeckte Version eines Freihandelsabkommens einigen werden, das in etwa dem Ceta-Vertrag zwischen der EU und Kanada entsprechen würde. Der Handel würde dann zwar weitergehen, aber mit deutlich mehr Papierkrieg und Kontrollen. Zu 45 Prozent rechnet Hoppe mit einem No Deal – also keinem Abkommen.

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