Beate Zschäpe soll keine Mörderin gewesen sein


Die Verteidiger der mutmaßlichen NSU-Terroristin verneinen in der Revision die Mitschuld Zschäpes an den Morden von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos

Frank Jansen | DER TAGESSPIEGEL

Zschäpe keine Mörderin? Ihre Verteidiger begründen die Revision mit der These, die Frau sei keine Mittäterin bei den Verbrechen…Foto: imago images/Sebastian Widmann

Auf den Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe kommt eine Frage mit enormer juristischer Bedeutung zu. Kann eine Frau zehnfache Mörderin sein, obwohl sie an keinem Tatort war? Die Verteidiger von Beate Zschäpe halten das für undenkbar und bestreiten, was der 6. Strafsenat des Oberlandesgerichts München in seiner schriftlichen Begründung zum Urteil im NSU-Prozess erklärt. Am Montag lief nun die Frist für die Anwälte ab, die für ihre Mandantin eingelegte Revision zu begründen. Im Verfahren zu den Verbrechen der Terrorzelle NSU beginnt das nächste Stadium. Sollte der BGH das Urteil aufheben, wäre ein zweiter Prozess fällig.

Anwalt sieht bessere Chancen als üblich

„Mich überzeugt die These des Gerichts von der Mittäterschaft Zschäpes genauso wenig wie beim mündlichen Urteil“, sagte Verteidiger Mathias Grasel. Die Chance auf einen Erfolg der Revision „ist höher als die Durchschnittsquote von drei Prozent“.

Verteidigerin wirft Gericht vor, Aussage des Kronzeugen nicht geprüft zu haben

Die von Zschäpe im Prozess geschasste, aber weiter im Verfahren tätige Anwältin Anja Sturm hält das Urteil für lückenhaft. Die Richter hätten die These, Zschäpe sei mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos Mitglied einer terroristischen Vereinigung gewesen, über die zweifelhafte Aussage des Mitangeklagten Holger G. begründet. Er hatte nach seiner Festnahme 2011 der Polizei gesagt, Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos hätten sich vor dem Gang in den Untergrund für den bewaffneten Kampf ausgesprochen.

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