Wer heilt, hat recht – auch die Komplementärmedizin will im Kampf gegen das Coronavirus mitmischen


In der Schweiz hat die Komplementärmedizin viele Fans. Einige fordern sogar, die «sanfte Medizin» müsse in der nationalen Corona-Task-Force vertreten sein. Eine gute Idee? Ganz und gar nicht, findet unser Kolumnist.

Alan Niederer | Neue Zürcher Zeitung

Es ist ein offenes Geheimnis: Ich bin kein Fan der Komplementärmedizin. Als ausgebildeter Arzt bin ich der Meinung, dass dem kranken Menschen mit den besten zur Verfügung stehenden diagnostischen Mitteln und Therapien geholfen werden sollte. Was das Beste ist, kann heute etwas anderes sein als noch vor ein paar Jahren. Denn der medizinische Fortschritt ist enorm. Das zeigt sich gerade in der Corona-Krise, wo täglich neue Resultate aus Therapiestudien eintreffen. Umso erstaunlicher ist es, dass jetzt auch Komplementärmediziner «ihre Hilfe» gegen das neue Virus anbieten wollen.

So hat mich unlängst einer per E-Mail auf die Vorzüge seines Fachgebiets hingewiesen – zu präventiven wie auch therapeutischen Zwecken. Und am Sonntag konnte ich in einem Inserat in der Sonntagspresse lesen, dass Vertreter der Komplementärmedizin in die nationale Corona-Task-Force aufgenommen werden sollten. «Gaht’s no?», dachte ich und musste laut lachen. Doch der Schreiber meinte es nicht lustig. Und auch die Fans der Komplementärmedizin verstehen bei solchen Fragen keinen Spass.

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