Türkei: Kein Platz an der Sonne


Während sich die europäischen Länder langsam auf die Öffnung ihrer Grenzen vorbereiten, um ihren Bürgern und Bürgerinnen einen Urlaub im europäischen Ausland zu ermöglichen, ist eine Öffnung der Türkei für Urlauber aus Europa nicht wirklich in Sicht.

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Istanbul. Bild: Farhad Eidi/unsplash

Das ist nicht nur der Corona-Pandemie geschuldet, sondern auch den politischen Verhältnissen. Indes die türkische Tourismusindustrie für ‚Corona-sichere‘ Hotelanlagen an der Ägäis wirbt, führt Ankara das Land immer mehr in eine Diktatur. Touristen sollen sich nach Wunsch der Hoteliers einen Platz an der türkischen Sonne sichern. Aber im Hinterland tobt die Pandemie, die Opposition wird gnadenlos verfolgt und kriminalisiert und viele Minderheiten werden diskriminiert.

Noch gibt es eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für die Türkei, in der ausdrücklich auf die Einschränkung der Meinungsfreiheit und die Gefahr von Inhaftierung bei harmlosen kritischen Posts oder auch nur Likes in den sozialen Medien gewarnt wird.

Es ist auch nicht geklärt, ob deutsche Urlauber nach ihrem Türkeiurlaub in Quarantäne müssen.

Die Türkei ist keine Demokratie

Die Bertelsmann Stiftung kommt in ihrem jüngsten Transformationsindex zum Ergebnis, das beliebte Urlaubsland der Deutschen sei aufgrund massiver Einschränkungen der Pressefreiheit, grober Missachtung von Bürgerrechten und Aushebelung der Gewaltenteilung eine Autokratie, also de facto eine Diktatur.

Nun, immerhin kommt diese Botschaft nach Jahren langsam auch in Deutschland an. Kritische Journalisten beobachten seit Jahren diese Entwicklung und raten der Bundesregierung zu konsequentem Handeln gegenüber dem Autokraten Erdogan. Außer zu verbalen Noten wie „Wir sind besorgt“, konnte sich die Bundesregierung jedoch nicht durchringen. Stattdessen gibt es weiter Waffen und Finanzspritzen für die Türkei.

Wer trotz allem noch mit dem Gedanken spielt, den Sommerurlaub an der türkischen Küste zu verbringen, sollte sich vor einer Buchung informieren, was sich wenige Kilometer hinter den Touristenhochburgen abspielt. Zu empfehlen ist der regelmäßig in der FAZ erscheinende „Brief aus Istanbul“ von Bülent Mumay. In seiner letzten Kolumne listet er eine Auswahl von Ereignissen der letzten zwei Wochen auf, die zeigen, dass in der Türkei von Demokratie keine Rede mehr sein kann.

Umgang mit der Corona-Pandemie

Während Erdogan der Bevölkerung Ausgangssperren und Maskenpflicht auferlegt, geht er selbst mit gutem Beispiel voran, so wie es sich für einen „Landesvater“ gehört: Haber Turk berichtet von der Eröffnung eines japanischen Krankenhauses in der Türkei, bei der Erdogan im Gegensatz zu allen anderen keine Maske trug.

Die Zahl der Infizierten hatte von Freitag auf Samstag um 1.186 Infizierte zugenommen. Am Montagabend wurde gemeldet, dass die Neuinfektionen mit Covid-19 wieder unter 1000 gefallen sind. Gesundheitsminister Fahrettin Koca berichtete am 25.Mai von 4.369 Todesopfern und 157.814 bestätigten Fallen von Infizierten.

Eine kritische Auseinandersetzung mit den Maßnahmen der Regierung im Umgang mit der Pandemie ist ausdrücklich nicht erwünscht: In den letzten zwei Monaten wurden in der Türkei 510 Menschen wegen kritischer Corona-Posts in Polizeigewahrsam genommen. Mehr als 10.100 Social Media-Profile wurden wegen kritischer Inhalte überprüft und Ermittlungen gegen mehr als 1000 Menschen aufgenommen.

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