Corona ist die Generalprobe für die globalen Krisen des 21. Jahrhunderts – und sie droht gerade zu scheitern


Eine Pandemie ist erst dann vorbei, wenn sie überall vorbei ist. Dazu braucht es internationale Kooperation und Solidarität. An beidem herrscht ein eklatanter Mangel. Das schadet allen – ausser dem Virus.

Fabian Urech | Neue Zürcher Zeitung

Eine Fussgängerin in Lagos, Nigeria. Akintunde Akinleye / EPA

Wann diese Krise zu Ende ist, entscheidet sich nicht in Bern, nicht in Berlin, nicht in Washington. Es entscheidet sich an Orten wie Kano. Rund fünf Millionen Menschen leben in der Stadt im Norden Nigerias. Trotzdem wirkt Kano vielerorts wie ein Dorf. Abertausende dichtgedrängte lottrige Hütten. Kaum Jobs, wenig Geld, ein schwacher Staat. An wenig anderen Orten leben auf so kleinem Raum mehr Menschen in Not. Selbst nigerianische Zeitungen sprechen von der «Welthauptstadt der Armut».

Corona war in Kano lange kein Thema. Doch Mitte April meldeten sich die Totengräber der Stadt zu Wort: Hätten sie bis vor kurzem noch zwei oder drei Gräber pro Tag ausgehoben, seien es plötzlich vierzig. Weil kaum getestet worden war, hatte sich unbemerkt ein Infektionsherd gebildet. Wie viele Covid-19-Fälle die Stadt heute zählt, weiss niemand. Die Dunkelziffer dürfte enorm hoch sein. «Wir sind weit davon entfernt, die Lage unter Kontrolle zu haben», sagte ein lokaler Mediziner unlängst.

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