Erdoğans Gebet in der Hagia Sophia – Sure der Eroberung


Türkeis Präsident inszeniert sich selbst: mit Koran auf dem neutralen Museumsboden der Hagia Sofia. Die Angst vor ihrer Rückumwandlung zur Moschee wächst.

Jürgen Gottschlich | taz

Am Freitagabend um 21.30 Uhr begann, was der türkische Präsident Erdoğan ein Gebet und die griechische Regierung eine Provokation nannte. Im großen Rund der Hagia Sophia, dem meistbesuchten Baudenkmal Istanbuls, kniete ein islamischer Vorbeter und rezitierte über viele Lautsprecher nach draußen verstärkt eine Sure aus dem Koran. Die sogenannte Sure der Eroberung. Aus Erdoğans Sicht eine passende Einstimmung seiner vor dem Museum wartenden Anhänger, denn der 29. Mai ist der Jahrestag der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453, nunmehr der 567. Jahrestag.

Neben dem Vorbeter ist nur ein weiterer Mann im Kuppelsaal der einst größten christlichen Kirche anwesend, Tourismus-und Kulturminister Mehmet Ersoy, der nominelle Hausherr des Museums. Doch die beiden sind nur Staffage, denn auf einer großen Leinwand, die ihnen gegenübersteht, erscheint niemand anderes als Präsident Recep Tayyip Erdoğan und übernimmt nach einer förmlichen Einladung durch Ersoy das weitere Gebet und die anschließende Predigt.

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