Im Auge des Sturms: Corona-Pandemie wütet in Lateinamerika

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Die Infektionszahlen explodieren, das Gesundheitswesen gerät an seine Grenzen, die Wirtschaft geht in die Knie: In keiner anderen Region ist die soziale Ungleichheit so krass wie in Lateinamerika – in der Corona-Krise fürchten viele Menschen den Hunger mehr als das Virus.

Frankfurter Rundschau

Neue Gräber auf dem Friedhof „Nossa Senhora Aparecida“ in Manaus, Brasilien. Foto: Alex Pazuello/Semcom/Prefeitura Manaus/dpa © Alex Pazuello/Semcom

Nach Asien, Europa und den USA hat die Corona-Pandemie nun Lateinamerika mit voller Kraft erwischt. In der Region trifft das Virus auf unterfinanzierte Gesundheitssysteme, Millionen Arme ohne soziale Absicherung und eine generelle Skepsis gegenüber staatlichen Anordnungen.

Die Regierungen reagieren ganz unterschiedlich auf den unsichtbaren Feind: Die einen setzen ihr ganzes Land unter Quarantäne, die anderen machen einfach so weiter wie bisher. Ein Blick auf das Infektionsgeschehen zwischen dem Rio Grande und Feuerland:

BRASILIEN: Das größte und bevölkerungsreichste Land der Region ist der neue Hotspot der weltweitweiten Corona-Pandemie. Fast eine halbe Million Menschen hat sich nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, über 26.000 Patienten sind bereits gestorben. Der rechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro hingegen tut das Virus als „leichte Grippe“ ab und will so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehren. Minister, die Bedenken äußern, werden gefeuert. Gouverneure, die auf eigene Faust Schutzmaßnahmen anordnen, beschimpft der Ex-Militär als „Haufen Mist“.

Während im Ausland Unverständnis und Entsetzen über Bolsonaros Corona-Politik herrscht, könnte seine Botschaft bei vielen Brasilianern verfangen. Mindestens 40 Prozent haben keinen Arbeitsvertrag, keine soziale Absicherung und keine Rücklagen. „Die Leute haben mehr Angst, vor Hunger zu sterben als vor dem Coronavirus“, sagt der Deutsche Bernhard Weber, der in den Favelas von Rio de Janeiro Lebensmittelpakete verteilt. Gut möglich, dass Bolsonaro sogar als politischer Gewinner aus der Krise hervorgeht.

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