Wo findet sich die Kirche im gestärkten Staat wieder


Die weltweite Corona-Krise zeigt zwei Varianten des Staates: die sich sozial kümmernde, vertreten etwa durch Angela Merkel; und die liberalistische, für die Donald Trump oder Jair Bolsonaro stehen. Die Kirche muss sich nun entscheiden, auf welcher Seite sie steht – mit allen Konsequenzen, schreibt der Dogmatiker Hans-Joachim Sander auf katholisch.de.

Hans-Joachim Sander | katholisch.de

In den Versuchen, die Corona-Pandemie zu bewältigen, ist einerseits eine Wiederauferstehung des Staates als Matrix für eine gesellschaftliche Organisation zu sehen, die allen anderen überlegen ist. Andererseits wird der Kirche ein Distinktionsverlust zugemutet, nicht länger wirklich systemrelevant zu sein. Das geht aber nicht nur der Kirche so; auch weitere zivilgesellschaftliche Größen fallen stark zurück. So geht die Krisenzeit nicht zuletzt über prophetischen Protest hinweg, der vor Kurzem noch hohe Zustimmungswerte erfuhr wie der jugendlichen Charme der Fridays for Future. Auch bei aktiven Wirtschaftsführern ist Fehlanzeige. Sie sind abgemeldet, treten lediglich als Bittsteller für Corona-Hilfen oder irrlichternd mit Dividendenausschüttungen auf.

Aber es ist auch so, dass der Papst wie alle anderen globalisierten Religionsführer schwächelt; ihre sonst durchaus gern gehörten warnenden Worte werden zwar vermeldet, aber lösen kaum Resonanz aus. Religion und ihre Gemeinschaftsrituale sind schließlich weltweit ein erheblicher Ansteckungsfaktor, der kaum unterschätzt werden kann. Angesichts dessen kommt die Frage nach der Systemrelevanz von Kirchen sowieso etwas unselig daher.

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