Auf den genetischen Spuren der Völkerwanderung

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Mit Genanalysen will man mehr Licht in die Epoche der Völkerwanderung bringen. Keine leichte Aufgabe. Der Mediävist Patrick Geary zeigt die Grenzen, aber auch die Chancen der genetischen Geschichtsaufarbeitung auf.

Jörg Feuchter | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Sollten an diesem prächtigen Reif vielleicht doch noch ein paar Fitzelchen urgermanischer DNA kleben? Die Eiserne Krone der Langobarden wird im Dom von Monza verwahrt. Bild: Prisma Bildagentur

Patrick Geary, der Amerikaner, hat erreicht, was noch kein deutscher Historiker geschafft hat, wenn man die Spezialdisziplin Medizingeschichte ausnimmt. Er erhält einen Synergy Grant des Europäischen Forschungsrates, war also in dessen höchstdotierter Förderlinie erfolgreich. Um die zehn Millionen Euro gehen an das Projekt HistoGenes, in dem Geary und seine Mitantragsteller Gräber der Völkerwanderungszeit untersuchen wollen. Der Name des Vorhabens ist Programm. Es setzt nicht nur auf die historisch-archäologische Auswertung, sondern auch auf eine umfassende naturwissenschaftliche Analyse, besonders auf die genetische.

Durch diese breite Interdisziplinarität soll neues Licht in die Migrationsepoche zwischen Antike und Mittelalter gebracht werden. Konkret geht es um Südostmitteleuropa. Dieser Raum erlebte vom fünften Jahrhundert an Wanderungsbewegungen, welche die spärlichen Textquellen mit Völkernamen wie den Herulern, Gepiden, Langobarden oder Awaren verbinden, über die wir aber kaum Sicheres wissen. HistoGenes will dies durch die Untersuchung von nicht weniger als 6000 archäologischen Körperfunden aus dem gesamten Karpatenbecken ändern.

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