Corona-Skeptiker: Ist das noch Wissenschaftskritik oder kann das weg?


Ist das noch Wissenschaftskritik – oder kann das weg? Sie kennen nicht den Unterschied zwischen Bakterien und Viren. Das hindert Viren-Skeptiker nicht, komplexe Studien auf Twitter zu zerpflücken. Sie fühlen sich dabei wie Wilhelm Tell und sind doch nur der Suppenkaspar, meint Jasamin Ulfat-Seddiqzai.

Jasamin Ulfat-Seddiqzai | Deutschlandfunk Kultur

Die Gruppe Demokratischer Widerstand sowie verschiedene andere Gruppen rufen bundesweit zu sogenannten Hygiene Demonstration auf. (laif/ Fritz Engel)

Gender Studies – mit diesem Begriff kann man selbst ruhige Gemüter zum Kochen bringen. Das Fach, welches kulturelle Geschlechterrollen untersucht, wird immer wieder als Beispiel für aus dem Ruder geratene Geisteswissenschaften herangezogen. Der Begriff „Orchideenfach“ ist dabei noch nett: Geisteswissenschaften seien schön, aber nutzlos.

Andere sehen in ihnen Pseudowissenschaften, deren Ziel die Unterwanderung der Politik und letztlich die Umerziehung der gesamten Gesellschaft ist. Selbst kulturinteressierte Menschen fragen sich zuweilen, ob an der Kritik nicht etwas dran ist. Als leuchtendes Gegenbeispiel werden stets die Naturwissenschaften hochgehalten, die aber am Ende doch nur als Feigenblatt missbraucht werden. Fakten und Zahlen akzeptiere man ohne Wenn und Aber, heißt es dann, die Geisteswissenschaften seien mit ihrer Ungenauigkeit aber selbst schuld, dass sie nicht ernst genommen werden.

„Genderwahn“-Kritiker gegen Naturwissenschaften

Als Literaturwissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf britischer Kolonialgeschichte analysiere ich unter anderem Texte des 19. Jahrhunderts. Darin Rassismen herauszuarbeiten, bedeutet nicht, dass man die Romane auf den Müllhaufen der Geschichte wirft. Unsere Forschung gibt einen Einblick in die Ideengeschichte verschiedener Kulturen und erklärt, woher historisch gewachsene Bilder und Einstellungen tatsächlich kommen könnten. Diese nuancierten Beobachtungen werden in bestimmten Medien gerne als „cancel culture“ verschrien, es heißt, wir würden überall Rassismus sehen und wollten alles zensieren.

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