Kirchengebäude: Versammlungshaus oder heiliger Ort?


Dass Christen ihre Gottesdienste in Kirchen feiern, ist nicht selbstverständlich. Die frühen Christen wehrten sich noch dagegen. Erst ein verändertes Glaubensverständnis sorgte für den Aufschwung der Kirchenbauten – und legte die Grundlage für verschiedene Auffassungen über die Natur eines Kirchengebäudes.

Christoph Paul Hartmann | katholisch.de

Die spitzen Türme stolzer Kathedralen und Dome recken heute überall auf der Welt Kreuze in die Höhe und prägen damit die Silhouette nicht nur europäischer Städte jeder Größe. Bei den Katholiken sind Kirchen sogar extra für ihren Zweck geweihte Gebäude; in ihnen läuft der Besucher nicht einfach in den Altarraum, der oft auch noch ein paar Stufen erhöht ist – denn das ist der heiligste Ort des Gebäudes. Anders in reformierten Kirchen: Wenn überhaupt steht dort ein bescheidener Tisch im Raum, an dem die Menschen einfach vorbeigehen. Kirchen werden hier schlicht in Dienst genommen – von Weihe keine Spur. Beide Verständnisse eines Kirchengebäudes sind durch ganz unterschiedliche Entwicklungen in der Geschichte entstanden.

Ursprünglich gab es bei den Christen keine speziellen Gottesdienstgebäude, man traf sich in Privathäusern. Die Überlieferungen der Paulusbriefe und der Apostelgeschichte zeigen, dass Versammlungen an öffentlichen Treffpunkten die absolute Ausnahme waren. Heilige Häuser gab es bei den Christen nicht – damit orientierten sie sich am Judentum. Für Juden gab es auf der ganzen Welt nur ein einziges heiliges Gebäude: den Tempel von Jerusalem. Nur hier durfte geopfert werden, nur hier fanden Kulte statt.

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