Streitschrift von Žižek über Corona: Kein New Age, please


Werden wir irgendwelche Lehren aus dieser Zeit ziehen? Für den Philosophen Slavoj Žižek ist die Coronakrise eine neue Form von Kommunismus.

Ingo Arend | taz

Zeit zum Nachdenken, Chance für die Entschleunigung, bewusster leben. Während der Coronakrise verging kaum ein Tag, an dem nicht die Chancen für einen anderen Lebensstil beschworen wurden, den das Coronavirus – neben den Schrecklichkeiten – doch biete.

Für derlei Ideen hat Slavoj Žižek wenig übrig. Am Schluss seiner jüngsten, gerade in den USA erschienenen Streitschrift verfällt der slowenische Philosoph in den Duktus eines Achtziger-Jahre-Altlinken, der die aufkommende Seuche der „Selbsterfahrung“ als Ablenkung von der harten Pflicht des Klassenkampfs geißelt.

„Wir sollten“, dekretiert das Maschinengewehr der Philosophie, „keine Zeit mit spirituellen New-Age-Meditationen darüber verschwenden, dass uns die Krise dazu befähigen wird, uns darauf zu konzentrieren, um was es im Leben wirklich geht. Der wahre Kampf geht um die Frage, welche soziale Form die liberal-kapitalistische Welt-Ordnung ersetzen wird.“ Puh.

Mit der geharnischten Rhetorik nimmt Žižek, Jahrgang 1949 und immer noch Philosophie-Professor in Ljubljana und London, die argumentative Shock-and-Awe-Strategie auf, mit der er schon in seinen bisherigen Streitschriften zur (politischen) Lage gern sein Publikum gruselte.

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