George W. Bush beklagt „systemischen Rassismus“ in Amerika


George W. Bush hat Amerika breitbeinig regiert. Nun spricht er demütig über die „Schmutzflecken auf unserem Charakter“. Das richtet sich nicht zuletzt gegen den amtierenden Präsidenten.

Andreas Ross | Frankfurter Allgemeine Zeitung

George W. Bush mit seiner Frau Laura, Präsident Donald Trump und dessen Frau Melania im Dezember 2018 Bild: Picture-Alliance

„Es ist an der Zeit, dass Amerika seine tragischen Fehler ergründet“, heißt es in der Erklärung. „Es bleibt ein schockierendes Scheitern, dass viele Afroamerikaner … in ihrem eigenen Land belästigt und bedroht werden.“ Dann kommt die Frage: „Wie beenden wir den systemischen Rassismus in unserer Gesellschaft?“ Der Autor ist nicht etwa ein schwarzer Bürgerrechtler oder ein linker Demokrat. Die nachdenklichen, erschüttert klingenden Worte stammen von George W. Bush, dem letzten Präsidenten der Republikanischen Partei, bevor diese von Donald Trump übernommen wurde.

Nur selten zeigt sich der heute 73 Jahre alte Politiker in der Öffentlichkeit. Dass er sich zu großen gesellschaftlichen oder gar zu konkreten politischen Fragen äußert, kam seit seinem Auszug aus dem Weißen Haus im Januar 2009 noch seltener vor. Nun aber wirkt Bush entschlossen, dem amtierenden Präsidenten von republikanischer Warte aus Kontra zu geben. Nicht, dass der Name Trump in der ausführlichen Erklärung vom Dienstag vorkäme. Aber jedermann versteht, dass nicht nur einzelne rassistische Polizisten gemeint sind, wenn Bush schreibt: „Die Doktrin und die Pose der rassischen Überlegenheit, an der unser Land einmal fast zerbrochen wäre, bedrohen unsere Union immer noch.“

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