Biologisch-dynamisch gegen die Impfpflicht


Joseph Wilhelm, der Gründer und Geschäftsführer des Biolebensmittel­unternehmens Rapunzel, fiel jüngst als Impfgegner und Covid-19-Verharmloser auf. Verschwörungsdenken und der Hang zur Esoterik sind nicht die einzigen Probleme in der Biobranche.

Mira Landwehr | Jungle World

Impfen? »Nur über meine Leiche«, schrieb Wilhelm, und warnte vor »Jagdkommandos, die widerstrebige Impfgegner einfangen und zwangsimpfen«. Bild: Wikipedia / Rapunzel Naturkost

Weiterhin kaufen oder boykottieren? Darüber diskutieren zurzeit Käuferinnen und Käufer der Biolebensmittelmarken Rapunzel und Zwergenwiese. Denn Joseph Wilhelm, der Gründer und Geschäftsführer der Rapunzel Naturkost GmbH, zu der auch die Marke Zwergenwiese gehört, schrieb in einer am 20. April auf der Website des Unternehmens veröffentlichten »Wochenendbotschaft« unter anderem, Viren seien »Teil des biologischen Lebens auf unserer Erde und leisten ihren Beitrag zur Weiterentwicklung desselbigen und der menschlichen Anatomie und Psyche«. In einer weiteren »Wochenendbotschaft« bezeichnete Wilhelm die zur Eindämmung der Pandemie nötigen Mund- und Nasenmasken als »Maulkorb« und benutzte damit eine Bezeichnung, die zurzeit auch im Milieu der Verschwörungsgläubigen gängig ist. Impfen? »Nur über meine Leiche«, schrieb Wilhelm, und warnte vor »Jagdkommandos, die widerstrebige Impfgegner einfangen und zwangsimpfen«.

Impfen? »Nur über meine Leiche«, schrieb Wilhelm, und warnte vor »Jagdkommandos, die widerstrebige Impfgegner einfangen und zwangsimpfen«.

Inzwischen behauptet der Geschäftsführer, seine Aussagen seien »aus dem Zusammenhang gerissen« worden. Seine »Aussage vom 27. 4. im Zusammenhang mit dem in Aussicht stehenden Impfzwang« erkläre sich aus persönlicher Betroffenheit und Angst. Ein »Impfzwang« steht allerdings gar nicht zur Debatte. »Betroffenheit und Traurigkeit« löse bei ihm außerdem die Unterstellung aus, dass »es eine persönliche oder firmenbezogene Nähe zur rechten ›Szene‹ gäbe«. Die Schweizer Apothekenkette Coop Vitality nahm die Produkte von Rapunzel dennoch aus dem Sortiment.

Eine mindestens naive Toleranz für extrem rechte Ansichten bewies ­Rapunzel bereits im Juli 2018, als Ralf Otterpohl von der TU Hamburg im Rahmen einer Veranstaltung des Unternehmens einen öffentlichen Vortrag halten durfte, in dem er zahlreiche Verschwörungslegenden verbreitete. ­Otterpohls Werbung für die völkisch-antisemitische Anastasia-Bewegung aus Russland erschien dem Unternehmen Rapunzel offenbar unproblematisch.

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