Boogaloo-Bewegung in Amerika: Sie wollen den Krieg


Eine amerikanische Internet-Bewegung, die auf einen Umsturz sinnt, wittert in der Pandemie und den Protesten ihre Chance. Die „Boogaloo Boys“, die sich in vielen Städten unter die Demonstranten mischen, sind bewaffnet und gefährlich.

Constantin van Lijnden, Morten Freidel | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Warten auf einen Bürgerkrieg: Anhänger der „Boogaloo“-Bewegung Mitte April in Concord, New Hampshire Bild: AP

Es ist nicht einfach, in den endlosen Ausprägungen der digitalen Meme-Kultur den Überblick zu behalten. Vieles, was sich in Internetforen, Facebook-Gruppen und Telegram-Kanälen aus Bildern, Phrasen, Anspielungen und Verfremdungen zusammensetzt, fällt wieder in sich zusammen, bevor es wirklich Gestalt angenommen hat. Anderes entwickelt sich zu einer beständigen digitalen Subkultur, die irgendwann auch in die „echte Welt“ überschwappt. Ein erschreckendes Beispiel dafür ist die „QAnon“-Verschwörungstheorie, die wie die meisten toxischen Narrative dieser Art auf dem Internetforum 4Chan ihren Ursprung nahm und deren Motive zuletzt auch in Deutschland viele Demonstrationen von Corona-Skeptikern inspiriert haben. Ein anderes Beispiel, das hierzulande noch praktisch unbekannt ist, doch in den Vereinigten Staaten dieser Tage gewaltvoll in die Öffentlichkeit tritt, ist die sogenannte „Boogaloo“-Bewegung.

Auch sie hat ihre Wurzeln auf 4Chan, allerdings nicht auf dem zutiefst rassistischen Unterforum /pol/, das in den vergangenen Jahren mehreren rechtsextremen Attentätern als Ort der Inspiration und Bühne zur Selbstinszenierung diente, sondern auf dem nicht explizit politischen Unterforum /k/. Dort tummeln sich vor allem Waffenfetischisten und Prepper, deren gemeinsamer Nenner eine rigorose Ablehnung staatlicher Regulierung und Kontrolle ist. Natürlich zieht auch das viele Rechtsextreme an, aber eben auch Anarchisten, Ultralibertäre und Milizionäre – nicht alle davon mit weißer Hautfarbe.

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