Ein toxischer Cocktail


Ben Salomo war jahrelang feste Größe in der Hip-Hop-Szene. Nun gibt er erstmals Einblicke, warum Verschwörungsmythen bei Musikern wie Xavier Naidoo so weit verbreitet sind

Ben Salomo | Jüdische Allgemeine

Was müssen Juden in diesem Land eigentlich noch alles ertragen? Die allerletzten Überlebenden des Holocaust weilen gerade noch unter uns (mögen sie leben bis 120!), ihre Narben aus der Schoa sind für uns noch sichtbar, die Traumata und die Erinnerungen auf der Seite der Nachfahren der Opfer – also in unseren Familien – sind noch sehr lebendig, während auf der Seite der Nachfahren der Täter zunehmend Stimmen lauter werden, die sich das Ende eines sogenannten Schuldkults wünschen, den es in Wahrheit nie gegeben hat.

Es sind die Stimmen der Ignoranz und der kaltherzigen Gleichgültigkeit, im Einklang mit den Stimmen derer, die fälschlicherweise der Meinung sind, dieses Land hätte seine dunkle Vergangenheit und den Völkermord an sechs Millionen Juden hinreichend aufgearbeitet, nur weil es neben dem Brandenburger Tor ein Holocaustmahnmal und vor den ehemaligen Hauseingängen der Entrechteten und Ermordeten ein paar Stolpersteine gibt.

GOLDKEHLCHEN Inzwischen kann jedoch umfassend belegt werden, dass die »Abwehr der Schoa im deutschen Erinnern« (wie der Antisemitismusforscher Samuel Salzborn es ausdrückt) eine aufrichtige Auseinandersetzung mit der deutschen Tätervergangenheit weitgehend verhindert hat.

Diese unbequeme Wahrheit wird nun umso vehementer von den Stimmen übertönt, die einen sogenannten Schlussstrich fordern, obwohl es eine familiäre Aufarbeitung der Gräueltaten von Opa und Uropa gesamtgesellschaftlich nie wirklich gegeben hat.

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