Einfach tun können, was man will?


Viel ist dieser Tage von der Freiheit und ihrer Einschränkung die Rede. Diese Sicht fußt auf einer vorherrschenden Fehldeutung des Begriffs

Klaus Vieweg | DERSTANDARD

Schutzmasken, Sperren und Co: War die zeitweilige Aussetzung von Rechten legitim? Die gesetzten Maßnahmen rechtens? Foto: Imago Images

In der Corona-Krise hört man von manchem das Gerede von den jetzt eintretenden „Einschränkungen von Freiheitsrechten“. Der Staat beschneide die Freiheit der Einzelnen. Dies ist auch ein Ergebnis der in den letzten Jahrzehnten zumeist vorherrschenden Fehldeutung von Freiheit. Es wird eben nicht präzise zwischen Freiheit und Auswählen von Varianten unseres Tuns unterschieden. Das bloße Wählen bezeichnet die Philosophie als Willkür, und zwar im Sinne, dass eine Möglichkeit des Tuns einfach auserkoren, gekürt wird.

Es herrscht die törichte Meinung, „die Freiheit überhaupt sei dies, dass man tun könne, was man wolle“ (Georg Wilhelm Friedrich Hegel), ein weitverbreiteter Unverstand. Wenn es verboten ist, im eigenen Garten hochtoxischen Müll zu entsorgen oder vor Kindergärten mit dem Auto 200 km/h zu fahren, könnte dann von einer Einschränkung der Freiheit gesprochen werden? Alle solchen Einschränkungen der Willkür, der vermeintlichen Freiheit, werden bei der Reduktion von Freiheit auf Willkür dann als Zwang, als Gängelung, Restriktion, Einmischung oder Repression disqualifiziert. „Willkür heißt man zwar oft gleichfalls Freiheit; doch Willkür ist nur die unvernünftige Freiheit, das Wählen und Selbstbestimmen nicht aus der Vernunft des Willens.“ (Hegel).

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