Ein beschämender Verdacht

Synagoge in Halle (Saale). Bild: Alex Koch, CC BY-SA 4.0

In der Stadt Halle geschahen in den vergangenen Tagen mehrere antisemitische Vorfälle. Die Polizei verhaftet einen Verdächtigen und ermittelt auch gegen einen Polizisten, verdächtigt der Strafvereitelung im Amt.

Hans Stutz | tachles.ch

Halle an der Saale, unweit von Leipzig. Dienstagabend vergangener Woche. Die Polizeidirektion erhält die Meldung vor dem Gemeindehaus der jüdischen Gemeinde liege ein Hakenkreuz, gestaltet aus Papierzellstoff. Eine Patrouille geht vorbei, die beiden Beamten melden bald, da sei nichts gewesen. Anderntags orientiert die Polizei die Öffentlichkeit. Nicht ohne Grund. In den Tagen vorher hatte es bereits zwei antisemitische Taten gegeben. Zuerst fand eine zweite jüdische Gemeinde in Halle an der Saale in ihrer Post einen Drohbrief mit beleidigender und volksverhetzender Botschaft. Sie stellte Strafanzeige, der Staatschutz ermittelt gegen Unbekannt. Dann war am letzten Maisonntag ein Zellstoff-Hakenkreuz vor dem Gemeindehaus gefunden und der Polizei gemeldet worden.
Die Polizei konsultiert Überwachungskameras und muss mitansehen, wie einer der patrouillierenden Polizisten – wie sie später in einer Medienmitteilung schreibt – «auf das aus Zellstoff gefertigte Hakenkreuz getreten und den Ablageort, nachdem es auch am Schuhe des Polizeibeamten haftete, verändert» habe.

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